Zeitung Heute : Unter aalglatten Brokern

HENDRICK SANDMANN (ADN)

Der jüngste Einbruch an den Börsenplätzen ist real - weltweit zittern die Investoren.Die Angst vor dem Verlust von Milliarden Dollar, DM oder Yen geht um.Diese realwirtschaftlich bedingte Angst kann jetzt auch jeden zuhause am Computer erwischen."Wall Street Trader 98 - Börsenfieber" heißt ein neues Computerspiel, das bei Virgin Interactive in Hamburg erschienen ist.Damit kann auch der blutigste Anfänger gefahrlos in die Welt der Aktien, Optionsscheine und Finanzderivate eintauchen, ohne dabei das eigene Vermögen zu riskieren.

Der als Computerarbeitsplatz generierte Bildschirm erinnert zwar an die Instrumente des phantastischen U-Boots des Kapitän Nemo aus dem Jules-Verne-Roman "20 000 Meilen unter dem Meer".Doch obwohl er optisch etwas antiquiert Stil geraten ist, hat der Spieler dennoch alle modernen Kommunikationsfäden mit der Maus in der Hand.Über die grafische Benutzeroberfläche können Aktien und andere Finanztitel geordert und verkauft werden, historische Aktienkursverläufe unter die Lupe genommen werden und die neuesten Nachrichten aus der globalen Wirtschaftswelt abgerufen werden.

Dem Newsticker kommt bei "Börsenfieber" besondere Bedeutung zu.Denn bis zu 500 teils fiktive, teils authentische Nachrichten aus aller Welt laufen bei dem Computerspiel auf und verlangen unvermeidlich nach Beachtung."Börsenfieber" ist denn auch weniger ein Spiel, als eine gekonnte strategische Simulationsmaschine.Von den Autoren war das durchaus gewollt.Bei Konzeption und Programmierung brachten Börsenprofis aus der Finanzwelt ihr Wissen ein.Mehr als 70 verschiedene international gehandelte Aktien aus 16 Wirtschaftssektoren wie Automobile oder EDV können auf dem "Wall Street Trader" gehandelt werden.

Und natürlich ist der Broker nicht allein an der Wall Street.Überall kommen einem allglatte Klone von Michael Douglas in die Quere.Die mehr oder weniger ausgebufften Börsenzocker wollen ihr eigenes Vermögen im Simulationsverlauf mehren, was nicht ohne Auswirkungen auf die Kurse bleibt und die eigenen Anlagestrategie auch zunichte machen kann.Nur eine einzige Investition gehört nicht zum Spiel: Der "Wall Street Trader 98" kostet im Fachhandel 99 Mark 95.

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