Zeitung Heute : Unter Baobab-Bäumen

JO HELL

Eindrücke im SenegalVON JO HELL

Der Respekt der Hotelgäste vor dem Vorhaben der drei Tischnachbarn, mit dem Leihwagen von Gambia aus in die Casamance im südlichen Senegal zu fahren, ist so groß, als ginge es um eine gefährliche Afrika-Expedition.Dabei beträgt die Strecke nur etwa 250 Kilometer auf meist gut ausgebauter Straße.Das wahre Dilemma ist das Fehlen einer Straßenkarte und der Mangel an Richtungsschildern im Lande. Die handgezeichnete Wegekarte des Autoverleihers erweist sich am kritischsten Punkt als gänzlich falsch, so daß wir die größte Ansiedlung Gambias, die mehr als 100 000 Einwohner zählende Stadt Serrekunda, mit ihrem Gewühl an Menschen und Fahrzeugen mehrmals suchend durchirren.Erst nach den Ortschaften Brikama und Diouloulou geht nichts mehr schief. Ein Taxi wäre wohl bequemer und auch kaum teurer gewesen, aber seit der Auflösung der Konföderation (Senegambia) zwischen Senegal und Gambi sind die Fahrer an der Grenzkontrolle nicht gern gesehen.Dafür lacht sich der Zollbeamte über das Paßfoto eines der europäischen Reisenden mit Baskenmütze und Wollschal schier kaputt, und reihum schlagen sich auch die Kollegen brüllend auf die Schenkel. Entlang der Route präsentiert sich Afrika: hier hantieren schlammverschmierte Frauen mit Fischreusen im Gewässer, dort säumen mächtige Baobab- und Kapokbäume die Straße, die allerdings etliche Kilometer vor der Regionalhauptstadt Ziguinchor wegen der löchrigen Asphaltdecke zur Slalomstrecke wird.Makaber schön mutet die Ansammlung nackthalsiger Geier unterhalb der Brücke des Casamance-Flusses an, über dem Pelikane elegant dahingleitend Beute suchen.Im Ortszentrum, beim Handwerksmarkt, erklärt ein einheimischer "Touristikmann" den Weg nach Kap Skirring, dem Endziel der "Expedition".Kundig weist er auch auf die auf der Route liegenden "Campements touristiques" hin, wo man in einer Art von integriertem Tourismus landestypisch mit den Dorfbewohnern leben kann. Nun zeigt sich die afrikanische Landschaft optisch besonders reizvoll: Farbschattierungen der Erde von ocker bis rost, unterbrochen von gewaltigen Baumstümpfen und bizarrem Gehölz.In den Bäumen turnen Affen, über den Weg rennen schwarze Schweine, an den Wasserlöchern stehen Kühe und Reiher.Kurz vor der Atlantikküste mahlt sich der Wagen tief in den Sand.Eine Schar junger Dorfbewohner hievt ihn bereitwillig wieder heraus."Entwicklungsprojekt eines Fischerdorfes" steht bald darauf am Eingang einer Ansiedlung aus Rundhütten am Meeresufer.Das nahe Hotel profitiert von den Fängen.Umsiedler aus dem übervölkerten Norden Senegals in den weiten fruchtbaren Süden sind hierher gezogen, wo die reichen Fischgründe nicht nur die Bevölkerung ernähren, sondern sogar den Export bedienen.Ein sonst rar gewordener Anblick ist hier geradezu alltäglich: bunte Boote, die immer wieder hochbeladen mit reichen Fängen - darunter riesige Rochen - heimkehren. In der natürlichen Üppigkeit der Casamance, die früher nur ausländischen Jägern und Anglern bekannt war, hat sich bereits 1969 ein französisches Clubdorf etabliert.Seine vorwiegend französische Clientel goutiert unter mächtigen Palmen wahre Delikatessen der Küche, zelebriert am feinsandigen Strand das dolce far niente, träumt in Hängematten oder geht sportlichen Ambitionen nach.Eine andere Hotelanlage unter französischer Flagge scheint eine Nachbildung des Gartens Eden zu sein in ihrer Fülle an Grün und Blumenpracht.Der Architekt hat die Materialien des Landes geschickt eingesetzt: Bambus, Baumstamm, Binsendächer, Terrakottfarben sind in sinnvoller Ergänzung der gewachsenen Natur verwandt, alle Häuser niedriger als jede Palme gebaut.Die Abendshow, anderswo meist zu touristischer Masche verkommen, bietet hier bei afrikanischer Musik noch einen - wenn auch schwachen - Abglanz einheimischer Kultur.TIPS ZU SENEGAL UND GAMBIA - Anreise: Für eine Reise nach Senegal bieten sich wöchentliche Charterflüge nach Dakar an.Ab 6.Mai von Tegel aus über Frankfurt mit Lufthansa oder Condor.Nur-Flug bei Neêkermann zwischen 1229 und 1387 Mark.Alternativ kann man auch ab Tegel nach Banjul, fliegen.Bis Oktober steht Futura International Airways mit einem Flug pro Woche (via Las Palmas) auf dem Flugplan. - Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen weder für Senegal noch für Gambia ein Visum, wenn ihr Aufenthalt drei Monate nicht übersteigt. - Gesundheit: Neben den üblichen Impfungen gegen Polio, Tetanus und Diphterie wird zusätzlicher Schutz gegen Hepatitis A, Typhus und Gelbfieber empfohlen.In beiden Ländern besteht ganzjährig ein Malaria-Risiko, zur entsprechenden Vorbeugung wird dringend geraten. - Veranstalter: Gambia hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten, weil auch preiswerten Charterziel entwickelt.Zwei Wochen inklusive Flug und Übernachtung mit Frühstück in einem einfachen Hotel sind für 1036 Mark ab Berlin zu haben (CA Ferntouristik). Preislich weniger günstig gestaltet sich der Pauschalurlaub in Senegal.Bei Neckermann kostet das günstigste Hotel zur preiswertesten Reisezeit immerhin 1789 Mark für eine Woche, zwei Wochen 2257 Mark.Der Veranstalter bietet hier auch komfortablen Cluburlaub (Aldiana) an. - Auskunft: Senegal unterhält kein Tourismusbüro in Deutschland.Im Berliner Honorarkonsulat der Republik ist jedoch eine kleine Auswahl von Informationsschriften vorhanden, allerdings vornehmlich in Französisch.Anfragen bitte nur Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag zwischen 10 und 13 Uhr unter Telefon: 861 01 24. Gambia Ministry of Tourism, Hohenwaldstraße 10, 61449 Steinbach; Telefonnummer: 06171 / 98 03 54, Fax: 06171 / 98 06 52.

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