Zeitung Heute : Unter dem Schutz des Konsuls

Als Volontär in einem französischen Unternehmen

R.B.

Thomas Bohn staunte. Bei einer Tagung über die Nato und Europa sollte er seinen Chef bei einer Podiumsdiskussion vertreten. Mitdiskutanten auf dem Podium in Leipzig waren der tschechische Generalkonsul und der polnische Militärattaché. Thomas Bohn nahm als Vertreter des französischen Konsuls an dieser Veranstaltung teil. „Das war schon ein besonderes Erlebnis, das man so leicht nicht vergisst und eine einmalige Chance“, erzählt er heute.

Bohn war damals 22 Jahre alt und hatte sein Politik-Studium sowie ein Aufbaustudium Germanistik innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen. Statt des Wehrdienstes hatte er sich um ein VIE, ein „Internationales Volontariat im Unternehmen“ beworben und bekam eine Stelle als Presseattaché am französischen Konsulat in Leipzig. „Ich wollte etwas dazulernen und nicht im Schlamm versinken“, sagt Bohn zu seiner damaligen Motivation.

„Das war ein guter Job, man verdiente richtig Geld und war angesehen wie ein echter Mitarbeiter.“ Dass er heute als Pressesprecher bei der „Invest in France Agency“ in Frankfurt am Main arbeitet, habe schon etwas mit seinem Volontariat zu tun. „Man lernt die richtigen Leute kennen.“ Einer seiner Freunde, ein Ingenieur, hat sein Volontariat bei „TotalElfFina“ absolviert und danach dort auch eine Stelle gefunden.

Mit der Umwandlung der französischen Streitkräfte in eine Berufsarmee wurde auch das Internationale Volontariat reformiert. Es steht jungen Männern und Frauen im Alter von 18 bis 28 Jahren offen. Sie können bei einem französischen Unternehmen im In- und Ausland ein Volontariat von sechs bis zu 24 Monaten absolvieren. Die Kandidaten können sich im Studium befinden, eine Berufsausbildung besitzen oder auch schon erste Berufserfahrungen gesammelt haben. Ziel ist es, französischen Unternehmen zu helfen, ihre internationalen Aktivitäten zu optimieren und jungen Leuten eine Perspektive zu bieten. Der Volontär hat einen öffentlichen Status und untersteht dem Schutz des französischen Konsulats. Er ist versichert und seine Zeit wird für die französische Rente angerechnet. Die Unternehmen werden von Frankreich finanziell unterstützt. Dieses Programm steht jedem EU-Bürger offen, der in einer französischen Firma arbeiten will.

Thomas Bohn und seine Freunde haben von diesem Programm profitiert. „Auf dem deutsch-französischen Jugendgipfel in Mainz im Jahr 2000 habe ich dieses Projekt auch Deutschland zur Nachahmung empfohlen, aber es gab damals keinerlei Resonanz“, bedauert Bohn.

Weiteres im Internet:

www.ubifrance.com .

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