Unter Heimwerkern : „Baumärkte haben so lustige Sachen“

Karoline Weber muss ausziehen und daher eine neue Lampenfassung anbringen. Eine schwierige Aufgabe für jemanden, der nicht viel mehr Werkzeug als eine Heißklebepistole besitzt.

Michael Schneider
Karoline Weber.
Karoline Weber.Foto: Michael Schneider

Karoline Weber, 28, kauft eine Lampenfassung für 2,50 Euro

Ich habe ein halbes Jahr zur Zwischenmiete in einer WG in Kreuzberg gewohnt. In wenigen Tagen ziehe ich aus, weil ich ein Stipendium bekommen habe und jetzt auf einem Schloss in der Nähe von Stuttgart wohnen werde. Als gebürtige Berlinerin empfinde ich meinen Umzug als sehr dramatisch. Ich freue mich zwar über das Stipendium, aber es fällt mir sehr schwer, in die Provinz zu ziehen. Ich gebe offen zu, ich teile die Vorurteile, die Berliner gegenüber allem haben, was südlich von Dresden liegt.

Jedenfalls sind meine Umzugskisten schon gepackt. Leider habe ich eine Lampenfassung, die ich beim Einzug von der Decke abgeschraubt hatte, nicht mehr wiedergefunden. Deshalb musste ich eine neue für meine Nachmieterin kaufen – und werde nun versuchen, sie so fachmännisch wie möglich anzubringen. Ich weiß, dass ich vorher die Sicherung rausdrehen muss. Und dann muss ich nicht viel mehr tun, als zwei Kabel an der Lampenfassung zu befestigen. Hoffentlich gibt es irgendwo in der WG einen passenden Schraubenzieher! Ich sage immer, ich habe keinen grünen Daumen, aber dafür zwei linke Hände. Heimwerkerarbeiten lasse ich lieber andere Leute machen. Technische Dinge sind mir nicht geheuer, egal ob es um Bohrmaschinen oder DVD-Player geht. Sobald etwas nicht so funktioniert wie erwartet, verfalle ich in Panik – und rufe meistens meinen Vater an. Ich glaube, er hat nichts dagegegen. So sehen wir uns wenigstens ab und zu.

Die einzige Ausnahme von meiner Heimwerkerphobie bilden Ikea-Möbel. Dank der Bauanleitung, die jedem Stück beiliegt, ist das wie Lego für Erwachsene.

Die These, eine emanzipierte Frau müsse in Heimwerkerfragen selbst Hand anlegen können, halte ich übrigens für falsch. Ich weiß mir ja durchaus zu helfen: Als emanzipierte Frau habe ich ein gutes Telefonbuch. Und im Zweifelsfall verlasse ich mich auf das einzige Werkzeug, das ich neben einem Hammer und einem Schraubenzieher besitze: meine Heißklebepistole. Mit ihr fühle ich mich wie MacGyver. Wenn etwas nicht hält, wird es einfach angeklebt.

Trotzdem beneide ich manchmal schon meine kleine Schwester, die mir handwerklich haushoch überlegen ist. Meine letzte Bastelarbeit war ein Adventsstern. Er sah aus wie der einer Dreijährigen.

Trotzdem mag ich Baumärkte. Ich verlaufe mich jedes Mal und stoße dann immer auf lustige Sachen – die ich freilich niemals kaufen würde. Komische Anzüge und Handschuhe, gepolsterte Klodeckel oder Spielzeuge für Haustiere.

Protokoll: Michael Schneider

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