Unter  HEIMWERKERN : „Ich rüste unsere Küche auf“

Der Architekt Niels Lillig hängt endlich seine Topflappen auf und freut sich, dass seine Frau mit dem Bohrer umgehen kann.

Protokoll: Michael Schneider
Niels Lillig, 35.
Niels Lillig, 35.Michael Schneider

NIELS LILLIG, 35
kauft

2 mal 2 Saughaken für je 2,69 Euro
2 mal 20 Filzgleiter für je 1,69 Euro
1 Zimmer-Thermometer für 3,09 Euro
2 mal 10 Rahmendübel für je 2,99 Euro

Ich habe nur ein paar Kleinigkeiten für unsere Küche besorgt. Die Saughaken sind für Topflappen und Handtücher, die Filzgleiter klebe ich an die Füße unserer Küchenstühle und die Dübel brauche ich, um einen Heizstrahler an der Wand zu befestigen.

Meine Freundin und ich haben erst kürzlich unsere Küche umgebaut. Auf dem ehemaligen Fliesenboden liegt jetzt Buchenparkett, und die Wand zwischen Küche und Flur haben wir komplett entfernt. Wir hatten lange darüber nachgedacht, wie wir die Küche neu gestalten, und uns schließlich für einen Rundumschlag entschieden. Das war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Ich wohne mit meiner Freundin und meiner kleinen Tochter in einer Altbauwohnung an der Grenze von Mitte und Wedding. Vor dem Umbau war der Flur schmal und dunkel und der Küchenboden immer kalt. Jetzt ist die ganze Wohnung wärmer und heller, das Licht fällt nun vom Küchenfenster über den Flur bis ins Wohnzimmer.

Als Architekt wusste ich zwar ungefähr, was mit so einer Aktion auf mich zukommt. Aber ich war dann trotzdem erstaunt, was man alles bedenken muss, wenn man eine Wand entfernen will. Wir mussten die Statik prüfen lassen, Elektroleitungen und Abwasserrohre umlegen und die Fußbodenhöhe in Flur und Küche im Blick behalten. Alles in allem wurde acht Wochen gearbeitet.

Grundsätzlich kann ich mit den meisten Werkzeugen gut umgehen und traue mir eigentlich alle Heimwerkerarbeiten selber zu. Immerhin habe ich während meines Studiums mehrere Praktika als Maurer und Tischler absolviert und einige Jobs als Messebauer und Bodenverleger gemacht. Ich besitze auch eine relativ luxuriös ausgestattete Werkzeugkiste.

Ein besessener Heimwerker bin ich trotzdem nicht. In meiner knappen Freizeit spiele ich lieber Schlagzeug oder Basketball, als mich hinzustellen und ein Regal zu bauen. Solche Dinge überlasse ich dann gern Profis – oder meiner Freundin. Sie verfügt über mindestens genauso so viel Heimwerkerwissen wie ich. Und die Hälfte unseres Werkzeugs gehört eigentlich ihr.

Ich finde es auch wichtig, dass eine Frau in der Lage ist, sich selbst zu helfen. Es hat ja wirklich nicht viel mit Körperkraft zu tun, ein Loch in die Wand bohren zu können! Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, meine kleine Tochter irgendwann mit den wichtigsten Kniffen und Tricks vertraut zu machen. Heimwerken ist keine Frage des Geschlechts.

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