Unter  HEIMWERKERN : „Im Notfall Papa anrufen“

Protokoll: Anke Myrrhe
Foto: Anke Myrrhe
Foto: Anke Myrrhe

EKNE HANDKE, 21

kauft

3 Blatt feines Schmirgelpapier

für 1, 38 Euro

Vor zwei Monaten bin ich mit meinem Mitbewohner in eine neue Wohnung gezogen. Im Bergmannkiez, eigentlich ein Traum, nur leider gab es in der Wohnung keine Küche. Also sind wir los und haben uns unsere erste eigene Einbauküche gekauft. Wir waren ganz aufgeregt und wollten sie unbedingt selbst aufbauen, obwohl wir beide so etwas noch nie gemacht hatten. Mein Mitbewohner ist Musiker, und ich studiere Medizin, wir sind also beide nicht unbedingt mit technischem Talent gesegnet. Aber wir dachten: Wir können das. Wir dachten: So schwierig kann das doch gar nicht sein.

Jetzt, zwei Monate später, muss ich sagen: Das ist alles gar nicht so einfach, wie man denkt. Und vor allem dauert es viel länger als geplant. Das Gröbste war zwar schnell erledigt: Innerhalb von zwei Tagen hatten wir die Schränke aufgebaut, und die Küche stand zumindest. Vor allem das Zuschneiden der Arbeitsplatte war eine Herausforderung. Wir haben ein Loch für die Spüle hineingesägt und die Platte an der Wand angebracht. Da war ich schon sehr stolz.

Aber die Feinheiten ziehen sich jetzt schon seit Wochen hin. Immer wieder merke ich, dass uns noch etwas fehlt, und muss wieder in den Baumarkt fahren. Wir können die Küche zwar schon benutzen, aber es muss ja alles perfekt abgeschlossen sein, damit am Ende nicht irgendwo Wasser reinläuft. Es fehlen noch ein paar Türen an den Schränken, und einiges muss auch noch aufgehängt werden, das ist nicht so schlimm.

Mich ärgert vor allem, dass die Arbeitsplatte immer noch nicht fertig ist. Weil das Holz unbehandelt ist, müssen wir die Platte immer und immer wieder abschmirgeln und ölen, schmirgeln und ölen, schmirgeln und ölen ... Irgendwann sieht es dann gut aus, hat mir mein Papa erklärt. Den rufe ich immer an, wenn ich beim Werkeln mal nicht weiter weiß. Mein Papa kann so was. Noch mal ganz fein abschleifen, hat er gesagt, und ich bin zum x-ten Mal in den Baumarkt gefahren. Mit diesem Schmirgelpapier kann ich nun hoffentlich wirklich zum allerletzten Mal die Platte abschleifen.

Inzwischen bin ich ein bisschen genervt. In nächster Zeit werde ich sicher erst einmal keine größeren Heimwerkerprojekte anfangen. Ich will, dass die Küche nun endlich auch mal fertig ist, damit man sie richtig benutzen kann. Trotzdem ist es ein großartiges Gefühl, das alles selbst gemacht zu haben. Ich meine, hey, ich habe selbst eine Einbauküche aufgebaut, ist das nicht fantastisch?Protokoll: Anke Myrrhe

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