Zeitung Heute : Unternehmen Deutschland

Viele Firmen haben ihre soziale Verantwortung bereits erkannt. Einige Beispiele

S. Jacobs,M. Schmidt

DGB-Chef Sommer hat die Unternehmen aufgefordert, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Was leisten deutsche Unternehmen bereits für die Gesellschaft?

SIEMENS: Der Industriekonzern möchte als „guter Nachbar und Bürger“ auftreten. Wie sieht das aus? Für Siemens heißt das: Förderung von Kunst und Kultur, Partnerschaften mit Hochschulen und jetzt auch Hilfe in den von der Flut betroffenen Ländern Südasiens: Ein Kinderkrankenhaus in Sri Lanka erhält Röntgengeräte, in fast allen Ländern werden flächendeckend Basisstationen für mobiles und Festnetz-Telefonieren geschaffen.

In Deutschland ist Siemens stolz auf das Förderprogramm Yolante. Damit begleitet das Unternehmen seit 2002 hundert Frauen jährlich bei technischen oder naturwissenschaftlichen Studiengängen. Vom ersten Semester an bietet das Förderprogramm finanzielle Unterstützung und persönliche Betreuung durch einen Mentor im Unternehmen. Praktika und Werkstudententätigkeiten gehören auch dazu.

DEUTSCHE BAHN: Die Bahn setzt einen Schwerpunkt im Kinder- und Jugendbereich. Sie arbeitet mit der Stiftung Lesen zusammen, hat mit einem Lehrmittelverlag das Unterrichtsmaterial „Unterwegs für Klimaschutz“ für die Sekundarstufe II entwickelt und unterstützt die Streetworker der Initiative Off-Road-Kids. Die hilft jungen Obdachlosen. Eine Schenkung von 510000 Euro im Jahr 2003 soll auf absehbare Zeit die Arbeit des Vereins gewährleisten. Zudem stellt die Bahn sicher, dass Sozialarbeiter dort eingreifen können, wo es nötig ist, indem sie den Streetworkern kostenlose Fahrten gestattet.

DEUTSCHE BANK: Die Deutsche Bank engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Forschung und Lehre, fördert aber auch Kunst und Musik. So erwirbt die Deutsche Bank seit 25 Jahren Werke noch wenig bekannter Künstler, die dann in den Büro- und Geschäftsräumen ausgestellt werden. „Art at Work“ ist das Motto dieser mittlerweile mehr als 50000 Werke umfassenden Sammlung, deren Konzept Nachwuchsförderung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst im Alltag miteinander verbinden soll. Die Arbeit der Deutsche-Bank-Stiftung ergänzt das Kunst-Engagement: Neben der Förderung unterstützt sie europaweit Ausstellungen wie im vergangenen Jahr den siebenmonatigen MoMA-Besuch in Berlin.

BASF: Dass sich BASF für den Rest der Welt interessiert, zeigte der Konzern nach der Flut in Südasien: Neben einer Million Euro Soforthilfe verdoppelte er – wie andere Großunternehmen auch – die Spenden seiner Mitarbeiter, so dass aus 1,4 Millionen Euro 2,8 Millionen wurden. Neu ist das Programm „Mit uns gewinnt die Region“, mit dem im Rhein-Neckar-Dreieck für 22 Millionen Euro Kulturprojekte und Bildungseinrichtungen unterstützt werden. Bisher sponserte BASF Ausstellungen sowie eine jährliche Konzertreihe am Stammsitz in Ludwigshafen und unterstützte Bauprojekte wie die Restaurierung des Doms zu Speyer. Beim Thema Klimaschutz verweist BASF auf seine zwischen 1990 und 2002 um 38 Prozent gesenkten Klimagas-Emissionen. In Libyen wird bei der Ölförderung entstehendes Gas neuerdings zur Stromerzeugung genutzt, und vor wenigen Tagen bekannte sich Vorstandschef Jürgen Hambrecht demonstrativ zum Kyoto-Protokoll.

DEUTSCHE POST: Auch das Engagement der Post ist vielfältig. Der Konzern hat zum Beispiel eine Patenschaft für die Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Bonn übernommen mit dem Ziel, die Schüler durch Praktika auf den Beruf vorzubereiten. Die Arbeitsmarktforschung steht im Mittelpunkt der Aktivitäten des von der Post gegründeten Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Das IZA betreibt Grundlagenforschung und Politikberatung. Ziel ist die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktikable Konzepte.

SCHERING: Seit Ende 2002 widmet sich eine Stiftung des Berliner Pharmaunternehmens der Förderung von Wissenschaft und Kultur. Die Schering-Stiftung unterstützte die Installation „Synchron“ in der Neuen Nationalgalerie, vergibt ein jährliches Stipendium für einen Arbeitsaufenthalt osteuropäischer Künstler am Berliner Künstlerhaus Bethanien und will am 11. März erstmals einen Förderpreis Bildende Kunst für deutsche Nachwuchstalente vergeben. Zudem fördert die Stiftung Workshops zur visuell- ästhetischen Bildung.

VOLKSWAGEN:

Der VW-Gesamtbetriebsrat startete zur Jahrtausendwende die Aktion „Eine Stunde für die Zukunft“, bei der Mitarbeiter Stundenlöhne für Straßenkinderprojekte an VW-Standorten spendeten. Daraus ist die „Restcent-Aktion“ geworden: Was hinter dem Komma auf dem Lohnzettel steht, geht an Hilfsprojekte. 70 Prozent der VW-Mitarbeiter beteiligen sich nach Unternehmensangaben daran; 5,6 Millionen Euro seien zusammengekommen. Außerdem unterstützt der Konzern Nachwuchsbands und Kulturereignisse wie die Berlinale.

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