Zeitung Heute : Unterwegs zum Bed-in

Richard Eckes ist Berlins erster Liegekutscher.

Tassilo Hummel
Richard Eckes mit Anhang. Berlins erstes „Bett-Bike“ auf Achse. Foto: Promo
Richard Eckes mit Anhang. Berlins erstes „Bett-Bike“ auf Achse. Foto: Promo

Neulich in Berlin: Zwei Jungs liegen in einem knallroten Bett, das auf eine Rikscha montiert ist. Der Fahrtwind saust ihnen um die Ohren. Sie fahren die Bernauer Straße entlang, vorbei an Touristen, Berufstätigen, Heimfahrern und Ausgehern. Alle verbindet eines: Erstaunen und breites Grinsen. So etwas sieht man selten – und wenn, dann wohl nur in Berlin: Ein rollendes Bett als horizontales Gewerbe, eine echte Liegekutsche, in der Fahrgäste in waagerechter Reiseposition durch die Stadt gebracht werden.

„Man hat ja oft dumme Ideen“, sagt Richard Eckes. Er ist 47 Jahre alt, Kameramann von Beruf, und lebt seit gut 20 Jahre in Prenzlauer Berg. „Ich habe mir gedacht: Diese eine Idee musst du jetzt umsetzen.“ Jetzt rollt er mit Berlins wohl erstem „Bett-Bike“ durch die Stadt. Eine halb elektrische Rikscha aus der Schmiede einer Berliner Manufaktur, die statt einer Sitzbank mit einem gemütlichen großen Bett – inklusive Decken und Kissen – ausgestattet ist. Vorne strampelt Eckes, hinten liegen Verliebte, Kinder oder gute Freunde und lassen sich ganz entspannt durch Berlin chauffieren.

Eckes Gefährt wurde ursprünglich von einer Werbeagentur eingesetzt; der 47-Jährige kannte den Hersteller, weil er sich bereits eine Rikscha für die Filmkamera von ihm hat anfertigen lassen. Kurzerhand schlug er zu, erwarb das Bett-Bike und hat daran „rumjefrickelt“, wie der gebürtige Kölner seine Liebe zum Basteln beschreibt.

Eckes ist Radfahrer aus Leidenschaft. Beim Film weigerte er sich lange, ein Autolenkrad anzufassen. Lieber transportierte er sein umfangreiches Kamera- Equipment mit Bussen und Taxis. Diese Haltung musste er freilich irgendwann aufgeben. Aber wenn er mit dem Drehen aufhören werde, dann sei die erste Abschaffung garantiert das Auto, sagt er.

Ein Geschäftskonzept gibt es nicht wirklich. Muss es auch nicht. „Es geht mir um die Gaudi,“ sagt der Gründer. „Das Grinsen der Leute freut mich am meisten.“ In der Tat ist es wunderbar, die Reaktionen der anderen zu beobachten. Da wird geschmunzelt, gestupst, fotografiert und gelacht. Mancher Radfahrer blickt ein bisschen missmutig auf seinen platzgreifenden Vorausfahrer, doch der Spaß ist da – in jeder Minute. An Ideen fehlt es dem Bettenkutscher nicht. Man wird ihn und das Bett in der Stadt antreffen und buchen können, für Sightseeing-Touren, Ausflüge, vom Standesamt zur Kirche und von dort zur Feier. „Dabei sind die Fotos und Videos, die ich von den Gästen mache, im Preis enthalten“. Er springt einfach vom Sattel und macht Erinnerungsfotos. Die Gäste kuscheln im Bett – vielleicht direkt vorm Brandenburger Tor. Da wird der Kreativität freier Lauf gelassen. Herauskommen kann dann eine Videobotschaft aus dem Bett à la John Lennon und Yoko Ono, dann wird herausgezoomt und es erstrecken sich Bundestag und Kanzleramt.

Das Bett-Bike geht offiziell erst in einer Woche an den Start, Eckes rechnet mit einem Run: „Es kommt total gut an.“ Der Quereinsteiger hat sich schon einmal „mit Leuten aus der Branche“ ausgetauscht und eine Preisliste für seine Touren erstellt. Ihm sei es egal, wenn die Idee adaptiert werde. Dann lässt er sich etwas Neues einfallen, ein Espresso-Bike zum Beispiel. Tassilo Hummel

Weitere Informationen unter

www.berlinhorizontal.de

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben