Zeitung Heute : Update: Fast so schön wie ein neuer Computer

Claus-Peter Sesin

Das Jahr 2000 bringt für Computerbesitzer zwei wichtige Neuerungen mit sich. Bereits im Frühjahr will Apple seine Fangemeinde mit dem neuen Betriebssystem MacOS X (gesprochen: zehn) beglücken, dessen Betaversionen mit seiner am unteren Rand hübsch dahingleitenden Programmleiste bereits jetzt Begehrlichkeiten wecken. Im weiteren Verlauf des Jahres wartet auch auf die Windows-User ein neues System, das derzeit noch den Codenamen "Whistler" trägt und zum Markstart vermutlich Windows 2002 heißen wird. Wer nun jedoch nicht auf die neuen Betriebssysteme warten will oder wessen Computer immer häufiger streikt, weil das System über die Zeit durch das Installieren und Deinstallieren von nützlichen Tools oder anderer Demo-Software kaum noch lauffähig ist, kann sich die Zeit bis zum nächsten Betriebssystem-Update mit einer Generalüberholung des eigenen PCs verkürzen.

In der Praxis bedeutet das freilich eine komplette Neuinstallation. "Hätte ich doch bloß eine Sicherheitskopie gemacht", entfährt es dabei häufig dem entnervten Anwender. Doch dies ist leichter gesagt als getan: Neuere Rechner haben Festplatten mit 20 und mehr Gigabyte - dies entspricht dem Speicherplatz von 23 selbstgebrannten CDs. Wer den Rechner gleich am Anfang vernünftig einrichtet, erspart sich beim späteren Betrieb manchen Ärger - und macht die Datensicherung später zum Kinderspiel. Dabei ist es am wichtigsten, gezielt einer "Grund-Macke" von Windows entgegenzuwirken - der wahllosen Vermischung von System-, Programm- und Anwender-Daten. Das Wundermittel dagegen heißt "Partitionierung" - die Unterteilung der Festplatte in mehrere Abschnitte.

Sinnvoll etwa ist, die Haupt-Partition (C:) für Betriebssystem-Daten (Windows) zu reservieren. Eine weitere (D:) sollte Programme speichern, eine dritte (E:) die Anwendungsdaten, eine vierte (F:) schließlich Sicherheitskopien wichtiger Daten. Mit Windows-eigenen Mitteln kommt der Anwender dabei indes nicht besonders weit: Partitionen können nur unter DOS mit dem Programm "fdisk" eingerichtet werden, das nicht nur für Laien kaum nachvollziehbare Eingaben verlangt, sondern beim Einrichten der Partitionen auch noch deren Inhalte löscht. Fdisk erfordert daher zuvor die müßige Komplett-Sicherung aller Daten.

Mit dem Hilfsprogramm "Partition Magic" der amerikanischen Software-Schmiede Powerquest (www. powerquest.com) indes lassen sich Partitionen ohne Datenverlust auch bei bereits installierten Systemen einrichten - und sogar nachträglich beliebig "verschieben". Partition Magic (140 Mark) kann zusätzlich zwei vorhandene Partitionen zu einer einzigen verschmelzen und unterstützt auch Linux sowie Windows 2000.

Obwohl Partition Magic auf CD ausgeliefert wird, arbeitet das Programm - wie Fdisk - unter DOS. Es bietet aber eine Windows-ähnliche, mit der Maus bedienbare und auch für Laien verständliche Grafik-Oberfläche. Für Rechner ohne DOS, etwa solche mit Windows 2000, erzeugt es zwei startfähige Disketten.

Am besten wird die Festplatte sofort nach dem Kauf des neuen Rechners partitioniert. Das vorinstallierte Windows 98 oder Windows 2000 bleibt dabei auf Laufwerk C. Danach werden die Anwender-Programme auf Laufwerk D installiert (als Option fast immer einstellbar). Werden sie erstmals aufgerufen, sollte sofort Laufwerk E (oder dortige Unterverzeichnisse) als Ort für die Speicherung der Anwendungsdaten gewählt werden. Auf diese Weise erhält der Datenwust auf der Festplatte Struktur.

Beim Backup kann sich der Anwender nun auf Laufwerk E konzentrieren - es ist das wichtigste, da es die unwiederbringlichen Anwender-Daten enthält. Als erste Sicherungsmaßnahme sollte der Inhalt von Laufwerk E regelmäßig komplett nach Laufwerk F kopiert werden - am besten platzsparend komprimiert, wobei das Shareware-Programm "Winzip" gute Dienste leistet. Auch das Windows-eigene Backup-Programm erlaubt Komprimierung. Die Auslagerung auf ein externes Medium (evtl. auch CD-R) ist wichtig, weil bei einem Platten-Crash alle Partitionen unlesbar werden können.

Wenn Windows muckt, ist indes meistens "nur" auf der Betriebssystem-Partition C etwas faul. Hier landen die von den Programmen mitgelieferten "Treiber" und Hilfsprogramme (DLLs), und hier findet sich auch die Windows-"Registrierung" - eine Datenbank mit den wichtigsten Hard- und Software-Informationen. Hat der Anwender eine Sicherheitskopie aller Daten auf Laufwerk C, kann er sie im Krisenfall einfach "zurückspielen". Und selbst, wenn Windows gar nicht mehr will, wird der Rechner nach dem Rückkopieren der C-Daten sofort wieder lauffähig.

Für die Sicherung der Daten auf C bietet Windows indes ebenfalls nur begrenzte Bordmittel: Das mitgelieferte Backup-Programm ist langsam und funktioniert nur unter Windows - was nach einem Windows-Absturz wenig nützt. Auch hier bietet Powerquest ein hilfreiches Tool namens "Drive Image" (Straßenpreis: ca. 140 DM): Das unter DOS von Disketten betriebene Programm kopiert eine Partition komplett (auf Wunsch komprimiert) auf beliebigen freien Festplattenplatz, der allerdings außerhalb dieser Partition liegen muss. Wird also die C-Partition auf Laufwerk F "gespiegelt", kann der Anwender nach einem Windows-Absturz den Rechner mit den Disk-Image-Disketten starten und dann die gespiegelten Daten zurückschreiben. Dies funktioniert auch bei Partitionen mit dem NTFS-Format von Windows-NT oder Windows-2000. Am sichersten fährt man, wenn die Sicherungsdateien von F möglichst häufig auf ein externes Medium ausgelagert werden - beispielsweise auf CD-Rs.

Die Daten auf dem - meist voluminösen - Programm-Laufwerk D hingegen müssen nicht unbedingt gesichert werden. Denn wenn eines dieser Programme nicht mehr funktioniert, bleibt Windows in der Regel lauffähig - der Anwender kann das Programm einfach neu installieren und so zum Leben erwecken. Wem das zu unsicher ist, der kann, sofern der Platz reicht, Laufwerk D ebenfalls auf Laufwerk F (oder auf CD-Rs) kopieren. Dafür reicht Windows, dessen Funktion ja durch die Sicherung von Laufwerk C gewährleistet ist.

Im Kampf gegen Windows-Macken ist auch Microsoft nicht untätig geblieben. Die neue Version Windows ME hat einen eingebauten "Rettungsanker", der nach einem Absturz die Systemdateien wieder herstellt. Doch wenn der Schirm schwarz bleibt, hilft auch dieses Tool wenig - dann ist sozusagen die Ankerkette gerissen.

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