Zeitung Heute : US-Hacker machen vor nichts halt

DAGMAR HILDEBRAND

Angiffe auf Internet-Seiten des Verfassungsschutzes von Florida und auf die "Central Idiots Agency"VON DAGMAR HILDEBRAND

Amerikas "Hacker" haben das angeblich so sichere Internet in der vergangenen Woche wieder einmal unsicher gemacht: Unbekannte bepflasterten die staubtrockene Web Site des Verfassungsgerichts von Florida mit einer Bilderserie von textilfreien Damen in mehr als eindeutigen Posen.Die Verfassungsrichter ließen ihre Urteilsbibliothek im "Net" schnellstens reinigen und beim Erstatten einer Strafanzeige gegen Unbekannt wurden sie rot: In Florida gibt es kein Gesetz mit Strafvorschriften gegen das Manipulieren fremder Internet-Angebote. Vor ein paar Wochen hatten die Hacker schon die offiziellen Homepages des US-Geheimdienstes CIA und des Washingtoner Justizministeriums heimgesucht.Nach der Bearbeitung durch "Witzbolde" stellten sich die Schlapphut-Männer als "Central Idiots-Agency" vor.Die Web Site des Justizministeriums war mit vielen Hakenkreuzen "verziert", und statt Janet Reno fungierte Adolf Hitler per Bild als neuer Justizminister der USA.Die Bundespolizeibehörde FBI fahndet nach dem oder den Tätern natürlich mit Suchmeldungen im Internet.Was wohl "Jerry Cotton" dazu sagten würde? Geschnappt wurde in der vergangenen Woche aber ein 17jähriger Gymnasiast der katholischen Trinity High School in Stanford im US-Bundesstaat Connecticut.Über den Schul-Computer hatte er Präsident Bill Clinton an dessen Internet-Adresse http//:www.whitehouse.gov die nicht besonders nette E-mail-Botschaft geschickt: "Clinton, you are dead!" Ein paar Stunden später waren die Leibwächter des Präsidenten zur Stelle und nahmen den Droh- Schreiber ins Gebet.Der Schuldirektor verhängte als Strafe "vier Wochen Computer-Verbot". In Sachen Computer-Pornographie schlug am vergangenen Donnerstag auch die Polizei in Toledo im US-Bundesstaat Ohio zu.Schwerbewaffnete Mitglieder des sonst bei Geiselnahmen und Terrorakten eingesetzten Mobilen Einsatzkommandos stürmten das "Bretz Tavern Internet Cafe" in der Stadt und beschlagnahmten die aufgestellten Computer.Die Staatsanwaltschaft wirft dem Besitzer vor, daß er seinen Kunden für eine Stunde Internet-Zugang vier Dollar berechne und nichts gegen den Besuch auf pornographischen Seiten unternommen habe.Auf frischer Tat konnten die Polizisten keinen einzigen Surfer überraschen.Beim Auftauchen der Beamten hatten alle geistesgegenwärtig die Computer abgeschaltet. Der zu Ende gehende amerikanische Präsidentschafts-Wahlkampf ist inzwischen buchstäblich auf den Hund gekommen.Der republikanische Clinton-Herausforderer Dole richtete für seinen Schnauzer "Leader" eine eigene Homepage ein."Der kriegt sehr viel mehr E-Mail als ich", beklagte sich Herrchen am vergangenen Sonnabend auf einer Wahlveranstaltung im kalifornischen Fresno.Nach dem Wahltag am 5.November werde er alle Zuschriften beantworten.Wenn die Meinungsforscher recht behalten, wird Dole dafür auch sehr viel Zeit haben. Und wenn sich im Weißen Haus Katerstimmung breitmacht, hat das nichts mit dem für Clinton prophezeiten schönen Wahlausgang zu tun.Denn natürlich hat auch die Clinton-Katze "Socks" eine eigene Homepage. Noch eine Meldung von der elektronischen Wahlfront: Per Internet-Botschaft zur russischen Raumstation "Mir" lehnte der Landeswahlleiter Antonio Garza in Austin (Texas) am Wochenende den Antrag des noch bis Mitte Januar um die Erde kreisenden US-Astronauten John Blaha ab, per E-Mail an den Präsidentschaftswahlen auf der Erde teilzunehmen: "Das Gesetz schreibt ausdrücklich vor, daß Briefwahl-Stimmen nur nach der Beförderung durch die US-Post gültig sind".Beim Erfindungsreichtum der Hacker ist diese Vorsicht wohl auch weiter angebracht.

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