US-Präsidentschaftswahlen : Obamas Kandidatur lässt Muslime hoffen

Obama hat nicht nur eine Fangemeinde in den USA: Muslime in der ganzen Welt erhoffen sich viel von dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. „Mit ihm als Präsidenten würden die USA nicht mehr von den Moslems gehasst.“

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]
Obama
Barack Obama gibt Muslimen Hoffnung. -Foto: AFP

Israella Darmawan ist natürlich aus dem Häuschen, seit Wochen schon. Ihr Barry, so nennt die Grundschullehrerin aus Jakarta den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, ihr kleiner Barry also, sagt sie aufgeregt, könnte der mächtigste Mann der Welt werden! „Bei einer Kollegin hat Barry mal geschrieben, dass er davon träume, Präsident zu werden. Aber wir wussten nicht, ob er eine Firma oder ein Land meinte.“

Frau Darmawan ist jetzt 64, pensioniert nach 40 Jahren Schuldienst. Sie sitzt auf der Veranda, trinkt Tee und erinnert sich. Barry sei, besonders in Mathe, ein guter Schüler gewesen. Ein guter Junge sowieso. „Barry stach immer heraus. Er putzte freiwillig die Tafel, schrieb mit Links und hatte eine schöne Schrift. Er hat den Schwachen geholfen. Und er hat geführt. Barry hat es organisiert, wenn die Schüler sich in einer Reihe aufstellen sollten.“ Es klingt, als sei auch in Indonesien US-Wahlkampf. Frau Darmawan wird auch den kommenden Dienstag, den „Super- Tuesday“, den Tag, an dem halb Amerika über den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten entscheidet, verfolgen. „Mit ihm als Präsidenten würden die USA nicht mehr von den Moslems gehasst.“

Ein klarer Morgen in Jakarta. Indonesiens Hauptstadt ist mit 200 Millionen Moslems das größte islamische Land der Welt. Im Süden, in Menteng Dalam, einem Stadtteil mit bescheidenen Häusern und Gassen, schlendern Kinder mit Ranzen über die Ramli-Straße in Richtung Asisi-Schule. Ende 1967 zog ganz in die Nähe, in die Ramli-Straße 16, in ein kleines Eckhaus mit roten Dachpfannen, ein Herr Soetoro ein.

Mit Herrn Soetoro kamen eine weiße Frau und ein Junge mit dunkler Haut: Ann und Barack. Das war eine Sensation. „Wir hatten noch nie einen Schwarzen gesehen“, erzählt Zulfan Adi, ein Touristenführer mit Halbglatze und Brille. Damals, er war sieben, freundete er sich schnell mit dem Neuen an. „Es galt als cool, mit Barry abzuhängen“, sagt er.

Barack Hussein Obama , Sohn eines Kenianers und der Amerikanerin Ann Dunham, war in Indonesien gelandet, weil Ann in zweiter Ehe den Indonesier Lolo Soetoro geheiratet hatte. Die Familie zog nach Jakarta. Bald darauf kam Obamas Halbschwester Maya auf die Welt, die ihrem Bruder heute im Wahlkampf hilft.

Knapp 90 Prozent der Bevölkerung Indonesiens sind moderat islamisch, auch in Menteng Dalam rufen Imame aus kleinen Moscheen zum Gebet. Die katholische Asisi-Schule steht Kindern aller Religionen offen. Welcher hat Obama als Kind angehört? Vater und Stiefvater waren Moslems. Die Mutter war Christin. „Ich wurde nicht in einem besonders religiösen Haushalt aufgezogen“, schreibt Obama in einem Buch. Seine Lehrerin Israella Darmawan sagt: „Barry kam mit dem Nachnahmen Soetoro zu uns und wurde zunächst als Moslem registriert. Fakt ist aber, dass die Katholiken den Unterricht mit Gebet begannen und dass Barry die Augen schloss und mit uns betete.“

„Der junge Obama hat in Indonesien ein islamisches Internat besucht und wurde als Moslem erzogen“, berichtete im vergangenen das Jahr „Insight“, ein konservatives US-Magazin. US-Geheimdienste hätten festgestellt, „dass heute die meisten dieser Schulen aus Saudi Arabien finanziert werden und eine Doktrin lehren, die Nicht-Moslems ihre Rechte vorenthält“.

Barack Obamas PR-Chef tobte. Er werde keine Schmierkampagne zulassen! Also schlug Obama vor, Reporter nach Indonesien zu schicken. Natürlich fanden sie kein radikales Islaminternat – dafür aber Obamas alten Schulfreund Zulfan Adi, der sagte: „Klar war Barry mal in unserer Moschee. Aber er hing nur mit uns ab, es war ein Treffpunkt, das ist alles.“

Dennoch: Bis heute sind Gerüchte um „Barack Obamas islamistische Vergangenheit“ nicht totzukriegen. Per anonymer Email werden sie immer wieder breit gestreut. Das wird im Hauptwahlkampf im Herbst eine große Rolle spielen. Wenn Obama so weit kommt.

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