US-Wahlkampf : Wie stehen die Chancen der Demokraten?

Hillary Clinton ist nur zu stoppen, wenn John Edwards und Barack Obama früh Siege einfahren. Die ersten Umfragen in Iowa und New Hampshire lassen ein Kopf an Kopf Rennen erwarten.

Die Demokraten sind siegesgewiss, berauschen sich an ihrer historischen Rolle. Sie wollen entweder die erste Frau oder eben den ersten Schwarzen ins Weiße Haus bringen. Hillary Clinton (1), Senatorin von New York, ist die Favoritin für das Präsidentenamt. Sie führt landesweit die Umfragen an. Doch in den frühen Vorwahlstaaten, die den Trend setzen, ist ihr Barack Obama (5) bedrohlich nahe gekommen. Er liegt in Iowa knapp vor Clinton, in New Hampshire ist er ihr dicht auf den Fersen. Noch ein dritter Bewerber hat in Iowa gute Aussichten: John Edwards (6) aus North Carolina, der bereits 2004 Vizepräsidentschaftskandidat war. Den übrigen fünf Demokraten geben die Wahlforscher keine Siegchance.

Die 60-jährige Clinton wirbt mit ihrer Erfahrung, erst acht Jahre First Lady an der Seite des Präsidenten Bill Clinton und dann noch mal

demokraten
Von links nach rechts: Hillary Clinton, Barack Obama, John Edwards, Bill Richardson, Joe Biden, Dennis Kucinick, Mike Gravel und...Foro: AFP

acht Jahre als Senatorin. Sie behauptet, sie sei die Einzige, die „von Tag eins an regieren“ könne. Obama und Edwards halten dem entgegen, Clinton wolle nur einen Machtwechsel von den Republikanern zu den Demokraten, aber keine inhaltliche Wende. Sie sei selbst Teil der Washingtoner Machtzirkel. An die 40 Prozent der Amerikaner haben Vorbehalte gegen Hillary. Sie gilt als gefühlskalt und machtgierig. Ihre Konkurrenten haben nur halb so hohe Negativwerte.

Barack Obama, 46 Jahre jung, verspricht, einen neuen Stil in der Politik wie einst John F. Kennedy. Die Clinton- und die Bush-Jahre haben die Gesellschaft in zwei Lager gespalten, ein linkes und ein rechtes. Er werde die Nation wieder versöhnen, sagt er. Bei den gebildeten und bei den jungen Wählern kommt er gut an. Hillary Clinton hat die älteren Bürger ab 50 auf ihrer Seite und Menschen mit mittlerer Bildung.

Edwards gibt sich als Klassenkämpfer, als Advokat der Arbeiter und der Benachteiligten. Dabei ist er als Rechtsanwalt zum Multimillionär geworden und machte mit 400 Dollar teuren Friseurbesuchen von sich reden. Der 54-Jährige klagt, die Medien konzentrierten sich zu sehr auf das Duell zwischen der ersten Frau und dem ersten Schwarzen; das sei ein Nachteil für ihn. In Iowa hat er treue Fans. Er war hier schon 2004 angetreten und wurde überraschend Zweiter hinter John F. Kerry.

Bei Sachthemen unterscheidet sich das Spitzentrio kaum. Sie alle nennen den Irakkrieg heute einen Fehler. Clinton und Edwards aber hatten für den Militäreinsatz gestimmt; nur Obama war von Anfang an dagegen. Alle drei wollen die Truppen reduzieren, aber nicht komplett abziehen. Sie versprechen die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung und möchten mehr für den Klimaschutz tun.

Gewinnt Clinton in Iowa und New Hampshire, wäre ihr die Kandidatur nur schwer zu nehmen. Obama und Edwards legen es daher darauf an, sie früh zu stoppen. Ein Sieg gibt Rückenwind für die nächsten Vorwahlen. (cvm)

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