US-Wahlkampf : Wie stehen die Chancen der Republikaner?

Mike Huckabee, der um religiöse Wähler im Farmstaat wirbt, ist zum Favoriten in Iowa aufgestiegen. Doch bezweifeln die meisten Republikaner, dass es am Ende für Hillary Clinton reichen kann.

In Iowas Hauptstadt Des Moines ist die Premiere des Musical „Caucus!“ das Gesprächsthema. Zwar bekommen auch die Demokraten in dem Stück – mit Ohrwürmern im Stil Cole Porters – Spott ab. Größte Ähnlichkeit mit der aktuellen Lage hat aber die Musical-Figur des Pfarrers Stanley Jensen. Er wirkt wie eine Persiflage auf den Republikaner Mike Huckabee (4), der um religiöse Wähler im Farmstaat wirbt. In den vergangenen Wochen war er zum Favoriten aufgestiegen.

Die Stimmung bei den Konservativen ist schlecht. Sie spüren, dass die Demokraten im Aufwind sind, und suchen verzweifelt

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Von links nach rechts: Mike Huckabee, John McCain, Rudolph Giuliani, Fred Thompson, Mitt Romney, Duncan Hunter und Ron Paul. -Foto: AFP

jemanden, der Hillary Clinton stoppt. Mit dem Kandidatenfeld sind die meisten unzufrieden. Der 63-jährige Rudy Giuliani (2), Bürgermeister New Yorks während des Terrorangriffs 2001, führt in den landesweiten Umfragen, weil sein Name bekannt ist. Doch wertkonservative Wähler in Iowa mögen ihn nicht, er ist zweimal geschieden, toleriert Abtreibung und möchte Waffenbesitz kontrollieren. Giuliani hofft auf Florida am 29. Januar und den „Super Tuesday“ am 5. Februar – falls er dann noch im Rennen ist.

Huckabee, 52, ist den Herzen der Menschen in Iowa näher: ein bibeltreuer Ex-Gouverneur des Südstaates Arkansas und Pfarrer mit eigener Rockband, in der er die Bassgitarre spielt. Doch auch der Frömmste ist nicht ohne Fehler: Als Gouverneur nahm Huckabee Geschenke über das erlaubte Maß an. Er begnadigte Sexualstraftäter, die dann rückfällig wurden. Bei außenpolitischen Sachfragen patzt er. Deshalb ist er in den letzten Umfragen vor der Iowa-Wahl leicht zurückgefallen.

Das lässt Mitt Romney (7) hoffen. Der erfolgreiche Geschäftsmann, Ex-Gouverneur des liberalen Nordoststaates Massachusetts und finanzielle Retter der Olympischen Spiele von Salt Lake City 2002 lag bis zu Huckabees jähem Aufstieg in Iowa vorne. Romney, 60 Jahre alt, hat viel Geld und Personal in die frühen Vorwahlstaaten investiert, um mit Überraschungssiegen an die Spitze zu gelangen. Huckabee bedrohte diese Strategie, er stellte sich in Iowa als überzeugter Christ gegen den Mormonen Romney. Mit TV-Werbung, die Huckabees Fehler aggressiv herausstellt, scheint Romney nun die Führung zurückzuerobern.

Ein Comeback erlebt John McCain (3), der 71-jährige Senator von Arizona. Der Vietnam-Kriegsheld galt vor einem Jahr als aussichtsreichster Bewerber, führte dann aber einen zu teuren Wahlkampf. Die Spendeneinnahmen hielten mit den Ausgaben nicht mehr Schritt, als er Bushs unpopuläre Truppenverstärkung im Irak unterstützte. Doch jetzt, wo es im Irak besser läuft, gilt McCain als prinzipientreu und weitsichtig. In Iowa hat er begrenzte Chancen, er setzt auf einen Sieg in New Hampshire am 8. Januar.

Die Republikaner wollen Härte gegen illegale Einwanderer zeigen, die USA unnachgiebig vor neuem Terror schützen, Steuern senken, Abtreibungen verbieten. Ihre Rhetorik klingt für Europäer schrill, zum Beispiel Ausbau statt Schließung von Guantanamo. Doch in der realen Politik agieren Giuliani, Huckabee, Romney und McCain meist pragmatisch. (cvm)

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