Zeitung Heute : Vattenfall will jetzt aufräumen

Die Unternehmensspitze berät nach den Akw-Pannen über Konsequenzen. Nach Informationen des Tagesspiegel ist auch eine Abberufung des Geschäftsführers für den Kernkraftbereich, Bruno Thomauske, nicht mehr ausgeschlossen.

Antje Sirleschtov

Berlin - Im Skandal um das Verhalten des Energiekonzerns Vattenfall nach Störfällen in seinen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel will die Berliner Konzernspitze Konsequenzen ziehen. Nach Krisentreffen an diesem Wochenende unter Leitung des Vattenfall-Vorstandschefs Klaus Rauscher sollen Anfang der Woche weitreichende Veränderungen im Organisationsablauf des Konzerns beschlossen werden.

Nach Informationen des Tagesspiegel ist auch eine Abberufung des Geschäftsführers für den Kernkraftbereich, Bruno Thomauske, nicht mehr ausgeschlossen. Thomauske wird in der Berliner Konzernspitze verantwortlich gemacht für Fehlinformationen an Behörden und Öffentlichkeit nach den Bränden in den Akws Krümmel und Brunsbüttel Ende Juni. Am Freitag hatte Thomauskes Verhalten dazu geführt, dass die Lübecker Staatsanwaltschaft an Informationen über den Brand in Krümmel nur durch einen Durchsuchungsbeschluss gelangen konnte.

Weil die Vorfälle inzwischen auch die schwedische Öffentlichkeit erreicht haben und dort das Vertrauen in den gleichnamigen Energiekonzern zu untergraben drohen, hat sich nun auch der Mutterkonzern eingeschaltet. Ein Sprecher von Vattenfall-Chef Lars Josefson sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, die Konzernspitze in Stockholm verfolge die Vorgänge in Deutschland „sehr genau“. Man sehe, sagte der Sprecher, dass eine „kritische Situation für das Vertrauen in Vattenfall Deutschland entstanden ist“. Zu Spekulationen über eine mögliche Abberufung des Vattenfall-Deutschlandchefs Rauscher hieß es in Stockholm: „Kein Kommentar.“

Am späten Freitagabend veröffentlichte Vattenfall auf seiner Internetseite einen 250 Seiten starken Zwischenbericht, der die Vorgänge am 28. Juni in Krümmel rekonstruiert. Darin ist unter anderem dokumentiert, dass es unmittelbar nach Brandausbruch in der Trafostation des Akw zu Computerpannen und folgenschweren Fehlhandlungen des Personals gekommen war. Dem Bericht zufolge befanden sich außerdem 37 und damit weit mehr Beschäftigte im unmittelbaren Steuerungsbereich des Atommeilers, als bisher bekannt. Vattenfall hatte bislang von 25 Personen gesprochen.

Ein Ausstieg aus dem Kraftwerk Krümmel steht für Vattenfall jedoch nicht zur Debatte. Ein Konzernsprecher sagte, man sei wegen der gemeinsam betriebenen Atommeiler in Brunsbüttel und Krümmel ständig im Gespräch mit Eon und erwäge keinen Ausstieg.

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