Vergleichsstudie der Techniker-Krankenkasse : Berliner fallen besonders häufig wegen Depressionen aus

Nach Erkältungen sind Depressionen bundesweit der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Und mehr als andere Bundesbürger sind die Berliner anfällig für depressive Beschwerden.

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Depressionen sind zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen.
Depressionen sind zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen.Foto: dpa

Wegen Depressionen fehlten Erwerbstätige in Berlin im vergangenen Jahr weit häufiger am Arbeitsplatz als im Rest der Republik. Gleichzeitig wurden ihnen aber deutlich weniger Antidepressiva verordnet als den Patienten anderer Bundesländer. Das ist das Ergebnis einer großen Vergleichsstudie der Techniker-Krankenkasse (TK), die an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt wird.

Demnach lagen die Berliner mit ihren Fehlzeiten wegen Depressionen um 19,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Hochgerechnet bedeutet dies, dass jeder Erwerbstätige der Hauptstadt mit dieser Diagnose im Jahr 1,3 Tage krankgeschrieben ist. Auf eine höhere Quote kommt dem TK-Depressionsatlas zufolge nur noch Hamburg mit 1,4 Tagen. Alle anderen Bundesländer liegen darunter.

Bei der Verordnungsrate von Antidepressiva hingegen zeigt sich ein ganz anderes Bild. Hier lag Berlin um 10,1 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Statistisch gesehen schluckten damit zwar immer noch 5,4 Prozent der erwerbstätigen Berliner solche Medikamente. Doch insbesondere im Süden und Westen der Republik sind die Quoten teils deutlich höher – trotz geringerer Fehlzeiten.

In Ostdeutschland dagegen greifen Ärzte der Studie zufolge wegen Depressionen seltener zum Rezeptblock. Woran das liegt, können die Experten nur mutmaßen. In Berlin könne die niedrige Verordnungsquote mit der hohen Therapeutendichte zusammenhängen, hieß es. Patienten kämen so oft schon früher in die Praxis und hätten auch eher die Chance auf Behandlungen ohne Medikamente.

Für 2013 verzeichnete die TK fast 4,3 Millionen Fehltage aufgrund depressiver Episoden und chronischer Depressionen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung entspricht dies mehr als 31 Millionen Tagen. Nach Erkältungen seien Depressionen inzwischen der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen.

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