Zeitung Heute : Verloren

Singlefrust, Verbitterung, Attitüden – darauf können sie gut verzichten

Das Leben davor. Weil sich alles von einer Sekunde auf die andere änderte. Weil ein Autofahrer einen beim Trampen übersah, man dem Feuer im Wohnhaus nicht entkam, Knochenkrebs einen als Kind besiegte. Oder man genauso auf die Welt kam, ganz normal.

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Hilflosigkeit. Keiner kann so gut improvisieren wie Behindertensportler. Im Paralympischen Dorf in Athen 2004 versagten die Aufzüge, ausgerechnet. Viele Athleten wie Marianne Buggenhagen rutschten einfach über die Treppengeländer nach unten.

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Singlefrust. Die Armen, die finden bestimmt niemanden, denken manche Zuschauer. Stimmt nicht. „Unsere Rollifahrer kriegen immer die schärfsten Frauen“, hat mal ein Trainer am Rande gesagt. Naja, und bei den Spielen wird natürlich auch immer heftig geflirtet und gefeiert.

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Verbitterung.

Wer bei Paralympics antritt, hat einen Kampf schon gewonnen. Den gegen den inneren Schweinehund. Depressionen, Selbstmordgedanken – alles überwunden. Bei den Spielen ist Humor nicht verboten, im Gegenteil. Die Sportler können über sich selbst am besten scherzen und ablachen. In der Kantine des Olympischen Dorfes heißt es dann: Gleich kommt das Essen auf Rädern! Ein Wintersportteam hat zum Vergnügen die krassesten Stürze der blinden Abfahrtsläufer auf DVD gebrannt…



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Attitüden.

Die besitzen nur ganze wenige der Spitzenathleten. In Athen und Turin schwärmten die freiwilligen Helfer, die auch schon bei den Olympischen Spielen vor den Paralympics dabei waren: Die Leute hier sind viel netter, charismatischer, cooler!



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Amateurhafte Denke.

Das einzige, worum es schade ist: Doping ist auch hier im Leistungssport Thema. Wer arbeiten gehen muss und danach, davor und an Wochenenden über Jahre hart trainiert, erliegt mitunter der Versuchung. Ob mit oder ohne Handicap: Da ist der Mensch ganz Mensch. kög

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