Zeitung Heute : Vermitteln am Runden Tisch

Ruth Ciesinger

Sewalanka – das bedeutet soviel wie „Sri Lanka helfen" oder „Hilfe für Sri Lanka". Es ist der Name einer der wichtigsten Nicht-Regierungsorganisation des Landes. Seit 1992 bemühen sich deren Mitarbeiter, die Lebensbedingungen von Bauern und Fischern zu verbessern. Dabei hat Sewalanka besonders den ethnischen Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit im Blick, der unter anderem einen 20-jährigen Bürgerkrieg ausgelöst hatte. Seit dem Waffenstillstandsabkommen von 2002 bemüht sich die Organisation erst recht, den Friedensprozess zu stärken. Dafür hat Sewalanka mit Sitz in der Hauptstadt Colombo Regionalbüros im ganzen Land, im singhalesischen wie im Tamilengebiet aufgebaut. Im von den Rebellen dominierten Nordosten bringt sie sogar Vertreter der Regierung und der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) an einen Runden Tisch; der Vizevorsitzende von Sewalkanka ist selbst Tamile. „Wir versuchen, immer den Mittelweg zu wählen, nie die Extreme", sagt Regionaldirektor Ajith Tennakoon.

Die Gebiete im Nordosten waren während des Bürgerkriegs umkämpft, viele Menschen sind von ihrem Land vertrieben worden. Nach dem Waffenstillstandsabkommen begann Sewalanka, den Menschen aus den Flüchtlingslagern zu helfen, damit sie eine eigene Existenz aufbauen können. Sie arbeitet dabei mit anderen Organisationen zusammen – wie jetzt beim Tagesspiegelprojekt – vor allem mit der Deutschen Welthungerhilfe. So werden Hütten wieder aufgebaut, Entwicklungshilfe für die Bauern wird geleistet, aber auch mit durch den Krieg traumatisierten Kindern gearbeitet. Unterstützt werden die Mitarbeiter durch Spenden aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und Japan, sowie von den Vereinten Nationen. Mit deren Organisationen arbeitet Sewalanka ebenfalls zusammen.

Durch den Tsunami, der hunderte Küstenkilometer verwüstet hat, ist die Not gerade der Fischer noch gestiegen, und jetzt werden noch mehr provisorischen Unterkünfte gebraucht. Ajith ist zuversichtlich, dass diese Hilfe mit der großen Unterstützung gelingen wird. Mit Sorge denkt er aber an die vielen Menschen, die die Katastrophe psychisch kaum verkraftet haben, ihre Betreuung ist nicht gesichert. „Dafür gibt es einfach nicht genügend geschulte Leute in Sri Lanka“, sagt Ajith. „Wenigstens für die Schulen bräuchten wir jemand, der den Kindern im Notfall zur Seite steht. Und vermutlich auch den Lehrern."

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