Zeitung Heute : Vernetzt denken und arbeiten

HARALD OLKUS

Müssen kleine und mittelständische Betriebe tugendhaft, tüchtig und mannhaft sein, um auf dem internationalen Markt bestehen zu können? Tüchtig bestimmt.Die beiden anderen Eigenschaften, die im Duden als Übersetzung für das lateinische Wort "Virtus" angeboten werden, dürften weniger entscheidend sein.Birgitta Kinscher und Elke Raddatz haben bei der Namensgebung ihres Modellprojekts "Pro Virtus" aber eher an die Übersetzung "virtuell" gedacht.Die Mitarbeiterinnen der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) bieten seit September ein von der Europäischen Union gefördertes Weiterbildungsprojekt für kleine und mittelständische Betriebe an.Ein bis zwei Mitarbeiter solcher Betriebe können zwei Jahre lang in Karlshorst Erfahrungen mit virtuellen Unternehmen machen.

Während Großbetriebe ihre inner- und außerbetriebliche Kommunikation längst über das Internet abwickeln, haben kleine und mittelständische Unternehmen die Vorteile des Netzes noch nicht erkannt, meinen die Wissenschaftlerinnen.Dabei könnten gerade kurzzeitige Betriebszusammenschlüsse in virtuellen Unternehmen enorme Wettbewerbsvorteile bieten.Verschiedene, sich gegenseitig ergänzende Firmen können als Anbietergemeinschaft auftreten und Aufträge akquirieren, die für den einzelnen Betrieb zu groß sind.

Die virtuellen Unternehmen stellen ganz neue Anforderungen an die Unternehmens- und Arbeitsorganisation, die anhand von zwei Projektaufgaben erlernt werden können.Auf einer von der Fachhochschule eingerichteten Internetplattform, die den teilnehmenden Unternehmen auch nach Abschluß des Kurses zur Verfügung steht, sollen die Teilnehmer zwei realistische Projekte abwickeln und damit lernen, vernetzt zu denken und zu arbeiten.Zur Ausbildung gehört das technische Know-how, die Auftragsabwicklung im Netz sowie Vertragsgestaltung und Online-Recht.

Bisher nehmen zehn Berliner Unternehmen an dem Projekt teil, die bereits das Vorläuferprojekt "ad astra" absolviert haben.Weitere Unternehmen seien willkommen, die Mehrzahl der Teilnehmer sollte aus Fördergründen aus dem Westteil der Stadt kommen.Besonders geeignet seien Unternehmen aus dem grafischen und dem konstruierenden Bereich.Der Arbeitsaufwand soll bei etwa fünf Stunden wöchentlich liegen.Anfänglich ist die Anwesenheit in der Karlshorster Fachhochschule erforderlich, im weiteren Verlauf läuft der Kurs online.

Kleine und mittlere Unternehmen aus Berlin können sich noch für die Teilnahme an dem Pilotprojekt "Pro Virtus - virtueller Unternehmensverbund" bewerben.Infos bei Birgitta Kinscher unter t 50 19 29 04 oder Dr.Elke Raddatz t 45 48 26 34.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar