Zeitung Heute : Verwirrt oder fanatisch?

Der Täter forderte die Freilassung von militanten Islamisten

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Die Tat hatte nach Einschätzung des Bremer Innensenators Kuno Böse (CDU) einen „islamistischen Hintergrund“. Der Täter sei ein 17jähriger gebürtiger Libanese, der 2002 eingebürgert wurde. In zwei Briefen, die er seinen Eltern hinterließ und der Polizei überreichte, schrieb er, dass er im Nahen Osten als „Gotteskrieger“ kämpfen und sterben und „einige Israelis mit in den Tod nehmen“ wolle. „Ich werde schlimmer als Bin Laden und alle anderen“, zitierte Böse.

Aus Sicherheitskreisen war zu erfahren, dass der Entführer vier wichtige inhaftierte islamistische Fanatiker freipressen wollte. Sie sollten nach München gebracht werden, wo er sie dann mit dem Bus abholen wollte. Bei den Personen handelt es sich um Mounir al Motassadeq, Lased Ben Heni und Ramzi Binalshibh, die in Verbindung zu Mujahedin und Al Kaida standen.

Außerdem drohte der nicht vorbestrafte Jugendliche damit, „große Teile Hannovers in Schutt und Asche“ legen zu lassen, wenn seine Forderung nicht erfüllt würde. Senator Böse räumte ein, dass es sich auch um einen „verwirrten jungen Mann“ handeln könnte. Der Täter behauptete, eine Bombe bei sich zu haben, die einen Zwei-Kilometer-Umkreis chemisch verseuchen würde. Außer einem großkalibrigen Gasrevolver fand die Polizei aber nur Kanister mit einer ungefährlichen Flüssigkeit bei ihm. Dennoch meinte Böse, dass zumindest die Briefpassagen zur islamistischen Gesinnung zutreffend seien. Der Täter habe regelmäßig eine Bremer Moschee besucht, in der auch ein anderer junger Muslim verkehrt habe, der jetzt als mutmaßlicher Taliban-Mitläufer im US-Stützpunkt Guantanamo einsitzt.stg/fan

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