Zeitung Heute : Via Schwabing nach Schöneberg

Wie eine Berlinerin, Ost, die Stadt erleben kann

Britta Wauer

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

München war nie die Stadt meines Herzens. In München bin ich mal durch eine Aufnahmeprüfung gerauscht, wurde ich bestohlen, war ich vorübergehend obdachlos und blieb schon zweimal wegen Stellwerksproblemen im U-Bahn- Schacht stecken. Das alles passierte bei Kurzvisiten von zwei, drei Tagen oder sogar nur, als ich auf Durchreise war. Auch sonst pflegte ich, wie es sich für einen Berliner gehört, die übelsten Vorurteile für Bayern.

Aber diesmal ist alles anders. Diesmal bin ich für ein paar Wochen in München und mache hier Sachen, zu denen ich in Berlin nie komme: Spaziergänge, Ausstellungsbesuche, Schaufensterbummel. Bei meinen Freunden zu Hause ernte ich dafür nur Spott. Als ich berichte, dass ich schon in vier Museen war, fragt mich ein Freund: „Haben die überhaupt so viele?“

Ich weiß gar nicht, woher diese Abneigung gegen München kommt. Die Menschen sprechen zwar bayrisch und sagen gelegentlich „Grüß Gott“ (aber viel seltener als man denkt!), dennoch sind sie ganz nett, man wird ständig eingeladen und überhaupt wissen sie, wie sich das Leben genießen lässt.

Ein Freund in Berlin sagte mir, nicht die Berliner hassen München, sondern die Münchner hassen Berlin. Wir würden mit unserer Verachtung nur gleichziehen. Tolle Theorie!

Ehrlich gesagt, sind die Münchner immer ganz ehrfürchtig, wenn sie hören, woher ich komme. Sie glauben, sie müssten mir ganz verwegene Orte zeigen zum Essen, zum Trinken, zum Tanzen. Sie denken, als Berliner liebt man es karg und schrabbelig und sind stolz darauf, dass sie eine Kneipe kennen, die so vergessen aussieht, als wäre sie in Kreuzberg oder einen Club mit weißen Liegeflächen wie in Mitte von Berlin. München kann genauso großspurig, traurig und hip aussehen wie unsere Hauptstadt.

Der Vorteil aber ist, man stößt in München eher auf die Sachen, die man mag. In Berlin hätte ich den Schmuckladen wohl nie gefunden, in den ich hier in Schwabing, Hohenzollernstraße hereingestolpert bin. Irgendwo zwischen den üblichen Filialen und privaten Boutiquen glitzerten aus Halbedelsteinen und Perlen zusammengehaltene Ringe und Ketten, die sofort gute Laune bringen. Als ich den ersten Ring, in hellblau und grün funkelnd, auf meinem Finger hatte, sagte die Verkäuferin „Da ist der Frühling drin!“ – und so habe ich mich auch gefühlt. Er hat knapp 20 Euro gekostet; Kette, Armband und Ohrringe könnte ich ja später ergänzen. Aber gibt es den Schmuck namens „Konplott“ auch in Berlin? Die Verkäuferinnen in München-Schwabing sind ratlos aber reizend. Sie telefonieren und sagen schließlich: Schöneberg, Maaßenstr.

Da gehe ich nie einkaufen, da hätte ich auch nicht gesucht. Dank der Münchner wird sich das wohl ändern. Und falls sich sonst noch jemand auf den Weg zu diesem Schmuckladen macht, sollte er unbedingt die Anpreisungen der griechischen Konplott-Designerin Miranda Konstantinidou lesen. Auszug: „Schmuck ist das Bekenntnis zur Eitelkeit und adelt die Frau, die ihn trägt.“

„Konplott“ bei „Lorenzos Berlin“, Maaßenstr. 11 in Schöneberg, Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-16 Uhr

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