VIDEOKUNSTStefan Panhans : Meine Neurosen und ich

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Man gilt heute nicht als sozial auffällig, wenn man auf der Straße mit Menschen spricht, die nicht da sind. Das ist ein großer Vorteil des digitalen Alltags. Nur bekommen mit unsichtbaren Gegenübern quatschende Menschen schon mal Probleme damit, sich selbst zu verorten. An wie vielen Orten bin ich grade, wer bin ich grade, wer schickt welche Infos, wer sieht mich, wo muss ich handeln – Hilfe!

Wie sich die digitale Paranoia auf Menschen auswirkt, die alles wissen, die überall und im Prinzip ständig auf Sendung sind, das malt keiner so gut aus wie der 1967 im Rheinland geborene Künstler Stefan Panhans. Panhans filmt seine prototypischen, scharf beobachteten urbanen Digitalisten in bühnenartigen Settings, mal vor Lagerfeuer, mal im Auto, mal im Fitnessstudio. Den gesprochenen Irrsinn, der aus seinen Figuren heraussprudelt, als wären sie an ein unsichtbares Datennetz angeschlossen, findet Panhans auf Blogs, Chats, Facebook und in allerhand Selbstoptimierungs-TV-Sendungen. Nicht schnelle Bildfolgen sorgen hier für Druck, sondern der reißende Strom der Gedanken. Getrieben von der Vielfalt der Möglichkeiten brennen uns die Sicherungen durch, das zeigen Panhans’ selbstironische Videos aus den letzten zehn Jahren immer auch mit einer Prise Humor. Birgit Rieger

Haus am Waldsee, So 19.1. bis So 16.3.,

Di-So 11-18 Uhr, 7 €, erm. 5 €

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