Zeitung Heute : „Viele können kaum noch gehen“

-

Jürgen Röber war sechs Jahre lang der Trainer von Hertha BSC. Seit einem Jahr ist er ohne Engagement.

Leben Trainer gefährlich, Herr Röber?

So pauschal möchte ich das nicht sagen. Dann muss ich von anderen wieder hören, dass auch sie einen stressigen Tagesablauf haben. Aber wir Trainer leben unter Druck: Von Sieg und Niederlage hängt unsere Karriere ab.

Die psychische Belastung ist hoch?

Am Spielfeldrand bist Du ja machtlos. Sobald das Spiel beginnt, bin ich abhängig von den elf Spielern, die auflaufen.

Wie gehen Sie mit diesem Stress um?

Ich reagiere ja sehr emotional auf der Bank, rufe, mische mich ein. Das ist sicher auch eine Art der Stressbewältigung. Ich habe auch immer versucht, mich gesund zu ernähren und fit zu halten. Beim Training mache ich die lockeren Laufeinheiten mit – soweit ich das noch kann. Ich gehe auf die 50 zu, man muss nicht immer den jungen Dackeln hinterherlaufen. Ein 140er Puls, das ist mein Tempo.

Sie waren früher Spieler. Leiden Sie heute noch an alten Verletzungen?

In 16 Jahren als Profi hat man schon ein bisschen was, am Rücken etwa, aber, toi, toi, toi, ich bin da relativ gesund rausgekommen. Ich war gerade bei einer Geburtstagsfeier in Bremen, da waren Leute wie Uwe Seeler, die international gespielt haben, und viele von denen können kaum noch richtig gehen. Und ein Freund von mir, mit dem ich den Trainerschein gemacht habe, ist gerade einem Schlaganfall erlegen.

Sie waren sechs Jahre Trainer bei Hertha, danach haben Sie bei keinem anderen Verein unterschrieben. Wollten Sie die Pause?

Ich habe das schon gemerkt, dass mein Körper Alarmzeichen gesetzt hat. Ich hatte regelmäßig Probleme mit den Bronchien, auch Schlafstörungen. Ich hätte zu Fenerbace Istanbul gehen können, im Rückblick bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe. Die Pause hat mir gut getan. Aber jetzt wird es langsam Zeit, dass ich wieder etwas tue, das ist auch klar.

Die Fragen stellte Moritz Schuller.

INTERVIEW

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar