Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Bruni – Brioni: Sarkozy ist nicht der Schröder Frankreichs

Barack Obama ist der Sieger der Demokraten-Kür in Iowa. Wie warm muss Hillary Clinton sich anziehen?

Für das Dienstags-Primary in New Hampshire, einem im Winter übel beleumundeten Granit-und-Eis-Staat, muss sie sich auf jeden Fall warm anziehen; sonst gibt’s Frostbeulen. Aber wir wollen nicht übertreiben. In den nationalen Meinungsumfragen liegt Clinton nach wie vor weit vor Obama. In New Hampshire ist ihr Vorteil nicht ganz so klar; außerdem ändert sich der Befund durch das berühmte „Momentum“, das sich aus dem Obama-Triumph in Iowa ergibt. Das Rennen wird erst am „Super-Tuesday“ entschieden sein. Dann wählen nämlich 22 Staaten, darunter die beiden bevölkerungsstärksten, Kalifornien und New York.

Mike Huckabee ist der Sieger der Republikaner-Kür in Iowa. Kann jemand wie er wirklich Präsident werden?

Huckabee, kein Verwandter von Huckleberry Finn, wird wohl in New Hampshire schwer abschmieren. „WmdW“ glaubt nicht, dass der Ex-Gouverneur von Arkansas (das war auch Bill Clinton) Präsident werden kann; „Gott und Vaterland“ reichen diesmal nicht aus. Nach langer Vorherrschaft der Republikaner im Weißen Haus – seit 1981 nur durch acht Jahre Clinton unterbrochen – steht ein Demokratischer Zyklus bevor. Aber hier ist der Joker: Wenn Hillary trotz Iowa die Gesamt-Kür gewinnt und im November gegen John McCain antritt, könnten die Demokraten eine üble Enttäuschung erleben.

Ein offenes Herz für Despoten (Putin, Gaddafi), ab und zu ein Basta auf den Lippen und ein Hang zum Luxus und Glamour (Brioni, Bruni): Wird Nicolas Sarkozy zum Gerhard Schröder Frankreichs?

Eine alte Geschichte: Die Bösnickel verschaffen mehr mediale Aufmerksamkeit als die braven Buben in den Demokratien. Aber wir müssen Schröder in Schutz nehmen. Er beteuert, dass er nur einen einzigen Brioni-Anzug besitzt. Abgesehen von den Havannas und Bordeaux (die er meist geschenkt bekam), hat Schröder keinen teuren Geschmack. Auch ist er ein treuer Familienvater. Deutsche Politiker sind nun mal, sagen wir, etwas bürgerlicher als ihre Pariser Kollegen. Die Frage ist nur: Lässt sich Sarko die Haare färben oder nicht?

Ein Wort zum deutschen Außenminister...

Steinmeier beschäftigt sich mit Mindestlöhnen und Innerparteilichem. Wie sich Berlin überhaupt auf die Innereien konzentriert: Jobwunder, Jugendkriminalität und Wer-kriegt-was? aus dem reichlich sprudelnden Steueraufkommen. Pakistan, Kenia, Irak, Afghanistan, Gaza sind ganz weit weg. Und um Europa kümmert sich derzeit (turnusgemäß) Slowenien.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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