Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Auf Atommeiler setzen – und Schweizer Käse in Palästina verhindern

Verwirrung im US-Wahlkampf: Hillary Clinton ist wieder da, und auch bei den Republikanern zeichnet sich kein eindeutiger Favorit ab. Wen würden Sie wählen?

Selbst wenn WmdW in Amerika wählen könnte, würde er das genauso wenig verraten wie seine Steuernummer. Außerdem wüsste er es nicht – nicht zehn Monate vor der Wahl. Aber für die nächsten 24 Stunden gilt: Frisch, jung und unbeleckt (Obama) sieht plötzlich nicht mehr so gut aus. Dagegen haben sich zwei bewährte, bekannte Schlachtrösser (Clinton bei den Dems, McCain bei den Reps) nach vorne geschoben. Das suggeriert, dass die Amerikaner in schlechten Zeiten (Hypo-Krise, Dollarverfall, Rezession) vielleicht doch das Vertraute (Clinton, Bill und Hillary) oder gar eine Vaterfigur (McCain) haben wollen, zumal nach Bush jr. Clinton contra McCain: In den letzten nationalen Umfragen (Dezember) lag der 71jährige Senator aus Arizona fünf Punkte vor der Ex-First Lady.

Nach Finnland und Frankreich will nun auch Großbritannien neue Atomkraftwerke bauen. Und Deutschland?

Natürlich nicht. Die Angst vor dem Atom sitzt in diesem Land so tief, dass die Formel von Wilhelm Zwo gilt: In dieser Frage kenne ich keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche. Mag sein, dass irgendwann diese Angst von einer anderen überlagert wird: dass Erneuerbares und Einsparen fossile Brennstoffe nicht ersetzen können. Und wenn der Ölpreis auf die 200 Dollar zustrebt, was Investitionen in KKWs wieder richtig rentabel macht – ganz gleich, wie teuer Atomenergie wegen hoher Sicherheitsauflagen geworden ist. Und dann die Weltläufe: Atomenergie hängt nicht vom Wohlwollen Russlands und der politischen Stabilität in Mittelost ab.

George W. Bush auf seiner ersten – und vermutlich letzten – Nahostreise als Präsident: Mehr als nur reine Show?

Showbusiness ist Bestandteil aller Politik – siehe Sigmar Gabriel (Klima) oder Nicolas Sarkozy (alles). Symbolik auch. Diese sei nicht zu unterschätzen, wenn ein US-Präsident das klare Signal ausgibt, Palästina müsse ein zusammenhängender Staat, kein „Schweizer Käse“ sein, der nicht durch Siedlungen durchlöchert wird und aus Gaza und Westbank besteht. Das hilft Abbas sowohl gegen Hamas als auch gegen Israel. Da Abbas anders als Arafat friedenswillig ist, gibt’s hier zumindest eine Chance. Aber in Nahost läuft alles unter dem Vorbehalt „Inschallah“ – so Gott will.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik…

In der EU wird gemunkelt, Deutschland und Amerika hätten sich auf die Anerkennung eines unabhängigen Kosovos geeinigt. Das Auswärtige Amt verneint das erstmal. Hmm. Machen wir uns nichts vor. Bevor das geschieht, müsste die EU schon mal eine glaubhafte Sicherheitspräsenz im Kosovo aufbauen, just in case. Denn die Serben fänden einen solchen Staat gar nicht gut.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal/SB

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