Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Nix (Brown); zu viel, aber am falschen Objekt (Sarko) – und Berlin duckt sich

Die US-Regierung will, dass die Bundeswehr auch im Süden Afghanistans kämpfen soll, Deutschland lehnt ab. Wer hat recht?

Sagen wir’s so: Dieses Land lebt mit einer dicken Lebenslüge nach der Devise „Wasch mich, aber halt mir den Pelz trocken“. Wir wollen mitmischen, aber bitte nicht im Kampfeinsatz – siehe die Kreuzfahrtmission vor dem Libanon und den Brunnenbau im Norden Afghanistans. Es gilt, sich ehrlich zu machen. Wenn wir meinen, dass ein neuer Taliban-Staat (der weiland das Land an die Qaida verpachtet hatte) nicht im deutschen Interesse ist, sollten Deutsche den Amerikanern, Holländern und Kanadiern im umkämpften Süden helfen. Hier gilt es auch, das Bündnis vor dem Zerfall zu schützen.

Roland Koch hat mit seiner Ausländerkriminalitäts-Kampagne Schiffbruch erlitten. Sollte die Union das Thema lieber aus Wahlkämpfen raushalten?

Die Frage beantwortet sich von allein: Diese Nummer läuft nicht mehr. Beide Parteien sollten aber bei der Integration der 7,5 Millionen Ausländer wetteifern. Die beste Integration läuft über Arbeitsmarkt und Bildung. Nur: Wer für hohe Mindestlöhne ficht, schmälert automatisch die Chancen der Einwanderer (und der niedrig qualifizierten Deutschen). Wer die Migrationshintergründler nicht dazu animiert, Deutsch zu lernen, nimmt ihnen ebenfalls die Chance. Das Gebot der Stunde lautet: Schulen und Unis durchlässiger machen – auch durch Vorbereitungskurse, wie es sie in Amerika gibt. Und durch systematische Nachhilfe. Herkunft ist Zukunft in diesem Land, leider, diese Verkettung muss durchbrochen werden.

John McCain und Hillary Clinton gehen mit leichten Vorteilen in den „Super Tuesday“. Wer ist besser für Deutschland?

McCain war zumindest viel öfter in Deutschland; er besucht seit Jahren die „Wehrkunde“, die nunmehr Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik heißt. WmdW hatte nur einmal das Vergnügen mit Frau C. Ansonsten sollte man die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht nach Partei-Etikett beurteilen. Die Beziehungen zu dem Demokraten Jimmy Carter waren, äh, nicht harmonisch, die zu dem Republikaner George Bush senior waren ausgezeichnet. Überdies: Obwohl C. heute gegen den Irakkrieg ist und M. dafür, wird auch eine Clinton keine Pazifistin als Präsident sein. Großmächte denken anders als Mittelmächte.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Eigentlich hätte die jetzt ein perfektes Umfeld. Gordon Brown (London) macht nix, Sarko (Paris) macht zu viel, aber am falschen Objekt (Bruni) und sich so zum Hanswurst, eine italienische Regierung wird es so schnell nicht geben. Oder eine unter Berlusconi, die schon zuvor nicht brilliert hat Nur: In Deutschland herrscht jetzt Innenpolitik, so weit das Auge reicht.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: SB

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