Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Das Lager Guantanamo in einen Club Med verwandeln

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Präsident Obama wird Guantanamo schließen. Soll Deutschland die Gefangenen aufnehmen?



Wir wollen die Fürsorge nicht übertreiben. Schließlich sind harte Terroristen unter den Gefangenen, die hier schärfste Überwachung erfordern würden. Die Schließung wird so einfach nicht sein, weil so mancher Guantanamese, wenn man ihn in solch freundliche Heimatstaaten wie Saudi-Arabien, Pakistan oder Ägypten zurückschickt, dort Folter und Verfolgung ausgesetzt sein wird. Am besten, das Lager bleibt und wird vom Club Med gemanagt – mit allen Annehmlichkeiten außer einer: der freien Ausreise. Im Ernst: Es wäre besser, jedem Gefangenen den Prozess zu machen. Die Schuldigen kommen in die Normalhaft, die Unschuldigen in das Land ihrer Wahl.

Der Stauffenberg-Film ist angelaufen. Wird Tom Cruise ein neues Deutschland- Bild in die Welt tragen?

Diese Theorie vertreten ein FAZ-Herausgeber und ein deutscher Oscar-Regisseur. Ersterer meint gar, nun werde jedes Schulkind in Iowa wissen, dass es einen Widerstand in Nazi-D gab. Dagegen stehen genau 7321 Hollywood Filme, die ein weniger freundliches Bild des Zwölfjährigen Reiches zeichnen. So what? Dass Deutschland heute zu den geachtetsten und beliebtesten Völkern zählt, hat nichts mit Hollywood zu tun, sondern mit der Tatsache, dass dieses Land das freundlichste, liberalste und demokratischste ist, das es je gab.

George Mitchell ist der neue US-Nahostbeauftragte. Schafft er dort Frieden?

Ja, genauso wie in Madrid, Oslo, Camp David, Taba, Wye und Annapolis. Dass Hamas eine Einstaatenlösung unter der grünen Flagge des Islams will, muss nicht weiter elaboriert werden. Dass Machmud Abbas Frieden will, ist glaubhaft, aber er ist zu schwach, um sich durchzusetzen. Und die Israelis? Die wollen eine Zweistaatenlösung, werden aber nie wieder Boden räumen, der zum strategischen Sprungbrett gegen das Kernland werden kann. Zwischen diesen Parametern ist nicht gut manövrieren. Allerdings hat Mitchell gute Arbeit in Nordirland geleistet.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …


Zurzeit wird die von den Herren Glos und Steinbrück gemacht. Steinbrück will Steuerhinterziehung, insbesondere Richtung Schweiz, mit Gesetzen verhindern, die wir immer den Amis vorgeworfen haben: das eigene Recht zum Maßstab aller internationalen Dinge zu machen. Glos hält gegen die Pläne, weil sie die Bundesrepublik dazu ermächtigen könnten, völkerrechtliche Verpflichtungen nach eigenem Gutdünken zu verbiegen. Nicht gut für den Standort D – da hat der Bayer recht.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar