Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Chemie der Physikerin verstehen und sich mit Joschka Fischer versöhnen

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Angela Merkel bei Barack Obama: Ein Herz und eine Seele?



Das gibt’s in der Politik nicht; höchstens ein Hinterteil und eine Seele wie bei Kohl und Jelzin in der Sauna. Oder ein „Tier und zwei Rücken“ (Shakespeare über den Geschlechtsverkehr), wie bei Berlusconi und Begleiterinnen. Deshalb ist die „fehlende Chemie“, wie sie von der New York Times bemängelt wurde, eine wenig relevante Kategorie im Leben der Staaten. O. und M. sind keine Gefühlspolitiker wie Schröder und Bush (die einander in herzlicher Feindschaft zugetan waren). Dass M. in Washington von ihrer Nähe zu O. schwärmte, zeigt bloß, dass beide wissen, wie wichtig ihre Länder für einander sind. Trotzdem wird Merkel nicht seinetwegen auf die Konjunkturtube drücken, sondern nur, wenn sie es im deutschen Interesse für richtig hält. Schon Helmut Schmidt wollte für Jimmy Carter nicht die „Weltwirtschaftslokomotive“ spielen.

Im Iran ebben die Proteste ab. Haben die Mullahs gewonnen?

Das Regime war bislang sehr schlau in der Dosierung der Gewalt, und die Opposition hat keinen Machtapparat wie einst Jakobiner und Bolschewisten. Doch vergessen wir nicht, dass Ahmadinedschad zuvörderst gegen die Mullokratie geputscht hat, gegen die ermüdeten und zerstrittenen Theokraten der ersten Stunde. Das Regime hat sich vorerst im Interesse der Machterhaltung um den Wahlfälscher geschart. Ob aber die Altvorderen (Rafsandschani und Genossen) seinen Sieg hinnehmen werden, ist noch nicht ausgemacht.

Die Bundeswehr in Afghanistan: Geben wir unseren Gefallenen die Ehre, die ihnen gebührt?

Immerhin nennen wir sie nun „Gefallene“, die Brunnenbohrer mit der MP und Entwicklungshelfer im Panzerwagen. So machen wir uns ehrlich, denn es ist Krieg in Afghanistan. So bezeugen wir, dass sie im Dienste deutscher Interessen gefallen sind, nicht als Angestellte des Technischen Hilfswerks. Und deshalb gebührt ihnen Ehre, so schwülstig das für postnationale Ohren auch klingen mag.

Ein Wort zum Außenminister ...

Diesmal eines zum früheren Außenminister und zwar in eigener Sache. Joschka Fischer hat in München eine Laudatio auf WmdW gehalten, der ihn oft genug gepiesackt hatte. Kein einziges Wort, das von der Festplatte gepurzelt wäre; stattdessen Scharf- und Feinsinn gepaart mit Witz und Wärme. Die Rede klebt bereits im Poesiealbum. WmdW verhandelt mit dem Tagesspiegel, ob sie nicht als Fortsetzungs-Rede anstelle seiner Kolumne abgedruckt werden könnte.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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