Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

An Geheimdiensten zweifeln und Europa mal so richtig bescheiden erleben

Pannen bei den Geheimdiensten: Sind die USA nachlässig bei der Terrorabwehr geworden?



Bestimmt nicht, bloß wie jedes Land mit zu vielen Geheimdiensten ist auch Amerika (mit etwa 16) unfähig dazu, diese zu koordinieren, zumal die wichtigsten, etwa CIA und FBI, einander mehr Missgunst und -trauen entgegenbringen als alle zusammen dem iranischen oder russischen Regime. Jeder Staat müsste seine Dienste alle 40 Jahre einstampfen und neu gründen, um bürokratische Routine und Eigensucht zeitweilig zu bremsen. Der OSS im Zweiten Weltkrieg war kompakter, intelligenter und sachbezogener als der Nachfolger CIA.

Mit dem neuen Jahr ist Herman Van Rompuy der starke Mann der EU: Welche guten Vorsätze sollte er fassen?


Wer? Der frühere Kurz-Premier von Belgien? Ist das der neue EU-Präsident? Der Haikus schreibt, japanische Dreizeiler-Kurzgedichte? Er sollte sich vornehmen, ganz cool zu bleiben angesichts der Spottverse, die sie über ihn verbreiten: „ein blasser Ratspräsident“, „bezweifle, ob irgendjemand in Brüssel ihn kennt“. Er ist genau der richtige Mann für die 27 Regierungen, die in Wahrheit das Regiment in Europa führen. „Bild“ zitiert ihn mit: „Meine persönliche Meinung ist der des Rates völlig untergeordnet. Sie tut nichts zur Sache.“ Wenn er das meint, ist er genau der richtige Mann: bescheiden in Auftritt und Ambition. Deshalb haben ihn die 27 auch gewählt.

Die iranische Opposition kämpft weiter gegen das Regime Ahmadinedschad. Wie soll der Westen sich verhalten?


Wie wir nach den gefälschten Wahlen vom Juni erlebt haben, hat die Devise „Ja nicht das Regime provozieren“ nichts genützt; die Ahmadinedschadisten haben sich bloß weiter radikalisiert – in der Unterdrückung wie im Bombenbau. Die weltweite Ächtung, das Hochhalten universeller Werte sind der bessere Weg. Sie zeigen den Tyrannen, wie isoliert sie sind – und den Freiheitlichen, dass sie nicht allein sind. Diese Leute, die den Tod riskieren, haben zumindest ein moralisches Bündnis mit dem Westen verdient.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …


Die postmodernen Erben von Marx und Adorno haben leider Recht mit ihrem Diktum behalten: Das Persönliche ist das Politische. Im „Stern“-Interview wurde Guido W. gleich dreimal gefragt, ob die Diskussion über seine Homosexualität ihn „verletzt“ oder „getroffen“ oder „verwundert“ hätte. Das hat so viel mit Außenpolitik zu tun wie Genschers gelber Pulli oder Fischers Faible für den Gang zum Standesamt. Unsere Bewunderung wäre jenen Politikern gewiss, die auf „Wie gehen Sie damit um?“ antworten mit: „Das geht Sie nichts an.“ Falls jemand einen solchen kennt, möge er ihn nominieren für den 2010-Preis „Meine Person gehört mir – nächste Frage!“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

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