Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

US-Geheimdienste zählen, Islamophobie verwerfen, Westerwelle bewundern

Jemen, Afghanistan, Somalia, Pakistan, Saudi-Arabien, Iran: Was ist die Hauptfront im Kampf gegen den Terror?



Wie diese Liste schon erkennen lässt: der Islamismus als solcher, eine Bewegung mit lauter unappetitlichen Zielen („Alleinherrschaft“) und Mitteln („Terror“). Rückblick: So etwas gab’s in den Siebzigern auch im Westen, von D über Italien bis Japan. Wir haben diesen Terror besiegt, ohne den Rechtsstaat zu opfern. Man darf sich nur nicht terrorisieren lassen. Auch Muslime mögen es nicht, wenn sie von den Eigenen gemeuchelt werden.

Wozu brauchen die USA 16 Geheimdienste?

Damit sie sich gegenseitig behindern und so nicht zur Bedrohung der amerikanischen Demokratie heranwachsen. Weil sie nicht miteinander reden, passieren Pannen wie zuletzt der vereitelte Anschlag auf die Maschine nach Detroit. Weil solche Pannen entstehen, braucht man einen neuen Dienst, der alle anderen koordiniert. Deshalb wächst deren Zahl. WmdW schätzt am meisten den „Secret Service“, der keiner ist. Er ist für den Präsidenten- und merkwürdigerweise auch für den Währungsschutz zuständig. In seinen Beritt fallen alle falschen Fuffziger.

Es gibt Streit über die Frage, ob man Antisemitismus und Islamophobie vergleichen darf. Was meinen Sie?

WmdW weiß nicht, was „Islamophobie“ ist – das ist ein Kampfbegriff, der eingesetzt wird, um den Gegner zu diskreditieren. Antisemitismus ist dagegen eine klare Sache. Er hat nichts mit „Kritik an Israel“ zu tun. AS ist die negative Stereotypisierung („geldgeil“) und Dämonisierung („Zersetzung“, „Weltverschwörung“, „Rassenschändung“) von Juden – dies aber mit einem besonderen Kick, nämlich der Obsession. Demnach sind Juden grundsätzlich an allem schuld, vom Viehsterben bis zum Kapitalismus oder seinem Gegenteil, dem Kommunismus. Ein Antisemit sieht ein Salzfass und faselt zwanghaft, dass die Juden schon zu Christi Zeiten die Salzpreise hochgetrieben hätten.

Ein Wort zum Außenminister...

Guido W. ist doch einer, den wir uns immer gewünscht haben. Frisch und frank produziert er andauernd neue Ideen: Die paar US-Atombomben in D müssen raus. Dafür rein mit der Türkei in die EU, und rein mit der „geistig-politischen Wende“ in die dickschädligen Köpfe der Deutschen. Aber neue deutsche Soldaten für Afghanistan? Die bleiben draußen. Die beiden mächtigsten Frauen in der Welt – Merkel und Clinton – verkünden derzeit nichts. Woraus man schließen darf: Unser Guido ist womöglich der wichtigste Außenminister auf Erden.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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