Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Obama nach rechts wandern sehen und ein gereiftes Deutschland erleben

Obama und Massachusetts: eine Schlappe, eine Panne oder ein Desaster für den US-Präsidenten?

Es gibt keine Desaster für US-Präsidenten, weil die Opposition sie in ihrer Amtszeit (vier Jahre) nicht stürzen kann. Panne? Ja – für die Demokraten des Staates, die sich so sicher waren, dass sie eine müde Figur für den Senatssitz von Ted Kennedy aufgestellt haben. (Seit 1972 hatte Mass. keinen republikanischen Senator mehr.) Eine Schlappe? Für Obama ist es mehr. Dass seine Partei im „demokratischsten“ Bundesstaat verloren hat, bedeutet zweierlei: Er hat kein Mandat für sein ehrgeiziges sozialdemokratisches Programm und wird sich nach rechts bewegen. Das wird heftige Flügelkämpfe in der Partei auslösen, die für breitere Verluste der Demokraten in den Kongresswahlen im November sorgen könnten.

Iran und die US-Geheimdienste: Wann haben die Mullahs die Atombombe?

Wenn der Boss – das ist der „Oberste Führer“ Chamenei – die Order erteilt. Die Technik beherrscht Iran schon; kommt der Befehl, muss nur noch Uran auf Waffenstärke angereichert werden. Die Zentrifugen stehen schon. Ob genug Plutonium für den zweiten Weg zur Bombe existiert, weiß WmdW nicht. Übrigens hatte Vorgänger Chomeini das Waffenprogramm nach seiner Machtübernahme 1979 gestoppt. Chamenei zeigt seine Karten nicht. Das heißt, dass der Westen noch einen Stich machen könnte. Die Mullahs sind nicht so verbohrt wie Ahmadinedschad tut, weshalb Druck von der Straße und vom Westen nicht vergebens ist.

Die Deutschen und Afghanistan: Wie viel zusätzliche Truppen verträgt die friedensbewegte Gemütslage?

Gegenfrage: Wie friedensbewegt ist der heutige Germane eigentlich? Das „dumme“ Volk versteht recht gut, was auf dem Spiel steht: die Glaubwürdigkeit des Landes, die Zukunft Afghanistans als wiederbelebter Terrorstützpunkt. Die politische Klasse ist reifer geworden. Berlin wird so lange bleiben wie Washington und das Kontingent symbolisch verstärken.

Ein Wort zu Deutschland ...

D ist die viertgrößte Wirtschaft der Welt, aber spielt wie eine Kleinmacht, wo es um die Zukunft der Weltfinanzen geht. Selbst die Schweden zeigen mehr Initiative. Sie denken schon an die nächste Krise – die Banken sollen so lange in einen Stabilitätsfonds einzahlen, bis er 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht – so viel, wie die nächste Krise den Staat kosten würde. Kein Wunder, dass die Schweden so kreativ sind, haben sie doch das Dynamit, den Volvo und das Knäckebrot erfunden, von Ingrid Bergman ganz zu schweigen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben