Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Den Mossad verstehen, Drohnen entsenden, Westerwelle dämpfen

In Dubai ist ein Hamas-Führer

umgebracht worden, vermutlich vom Mossad . Wie empörend ist das?

„WmdW“ empört sich nicht – höchstens über seine unbotmäßigen Familienmitglieder. Lieber betätigt er sich verschwörungstheoretisch, was äußerst nahostgemäß ist. Theorie 1: Die Operation in Dubai war so tölpelhaft und auffällig, dass sie nur von einem arabischen Geheimdienst inszeniert worden sein kann; sei es von der Fatah, dem Erzfeind der Hamas, oder vom Muchabarat eines Sunni-Staates, dem die enge Beziehung der Hamas zu Iran nicht passt. Theorie 2: Der Mossad war abermals so gerissen, dass er die Amateur-Nummer aufzog, damit der Verdacht auf einen arabischen Dienst falle. Deshalb die falschen Bärte, Perücken und dicken Sonnenbrillen, das wilde Herumtelefonieren, der unbekümmerte Blick in die Überwachungskameras, die kleine Armee von insgesamt 17 Leuten. Fakt aber ist: Die Täter haben wichtige Dokumente über den Waffenschmuggel der Hamas erbeutet. Und das hilft Israel.

In Afghanistan schicken die USA oft Drohnen in die Luft, um Taliban-Führer umzubringen. Wie empörend ist das?

Noch mal: Empörung überlässt „WmdW“ Guido W. und seinen Widersachern; nur das bringt Schlagzeilen. Analytisch gesprochen: Taliban, Hamas und Hisbollah benutzen Zivilisten systematisch als Schutzschilder, also ist der gezielte Angriff auf deren Führer das weitaus geringere Übel im Vergleich zu Bombenschlägen wie in Kundus, wo Dutzende von Unbeteiligten sterben. Selbstmordterroristen können nicht abgeschreckt werden, sehr wohl aber die Drahtzieher im Hintergrund.

In den USA floriert eine neue Tea-Party-Bewegung: Wie stark ist diese außerparlamentarische Opposition?

Populistischer Aufruhr ist so amerikanisch wie Freiheitsstatue und Milkshake – und so alt wie die Shay-Revolte von 1786, in der verarmte Farmer gegen ihre unnachsichtigen Gläubiger ins Feld zogen. Das Beruhigende an solchen Revoluzzern ist, dass sie im Zweiparteiensystem der USA keine Heimat in einer Rechts- oder Linksaußenpartei finden können. Oder: Keine populistische Partei hat je die Macht in Amerika errungen. Aber sie geben gute Szenen im Abendfernsehen ab.

Ein Wort zum Außenminister ...

Apropos Populismus: „WmdW“ ist überrascht. Erst fallen erwartungsgemäß die Umfragewerte für die Westerwelle-FDP auf sieben Prozent; plötzlich steigen sie wieder – zuletzt laut Infratest-dimap auf zehn Prozent. Hoffentlich beflügelt dieser Wert das Getöse nicht. Besser ist eine Diskussion, die bisher peinlichst vermieden wurde – und zwar darüber, wie man Hartz-IV-Empfängern wieder in den Arbeitsmarkt helfen kann. Vielleicht findet auch Guido W. wieder in sein Amt zurück: Er ist nicht Chefpopulist, sondern Außenamtschef.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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