Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Raki aufs Vaterland trinken und Nachtigallen in Paris beobachten

Thilo Sarrazin wird Volksverhetzung vorgeworfen. Schadet sein Buch dem Ansehen Deutschlands?

Wir wollen das Buch nicht so hoch hängen, auch nicht Sarrazin empfehlen, wie es der Zentralrat der Juden tut, in die NPD einzutreten. Seit wann keilt der Zentralrat Mitglieder für die NPD? Das sind vertraute Reaktionen der Deutschen Empörungsgemeinschaft, die noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen – genauso wie Merkels Vorab-Rezension („nicht hilfreich“). WmdW kann nach Lektüre der Vorabdrucke ruhig schlafen. Denn der Verdummungsexperte Sarrazin kreidet den Einwanderern zweierlei an: einmal ihre ungezügelte Vermehrungslust, zum Zweiten, dass sie dabei endogam (im Ehebett unter sich) bleiben. Wer aber gebärpolitisch im Clan bleibt, kann mit seinen IQ-defizitären Genen nicht den deutschen Volkskörper verblöden. Das Vaterland ist gerettet! Darauf einen Raki.

Frankreich weist Roma aus. Entspricht das dem Geist der Europäischen Union?

Empörungsgemeinschaft II: Martin Schulz, Fraktionschef der Sozialisten in EU-Parlament, der kein Mikro auslässt, bezichtigt Paris des europäischen Rechtsbruches, als wären die Franzosen geistig so minderbemittelt wie Sarrazins Türken. Tatsächlich sind sie formal im Recht, denn jenseits der drei Monate für Touristen gilt die Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren erst nach 2014. Nur: Letztes Jahr hat Paris 10 000 geräuschlos abgeschoben, diesmal aber mit gewolltem Lärm. WmdW meint: „Nachtigall, ick hör dir trapsen.“ Und zwar in der Innenpolitik, wo Sarko Punkte sammeln will. Eine bessere Wirtschaftspolitik brächte mehr.

Wer in den USA was werden will, braucht Sarah Palins Unterstützung. Warum ist sie so mächtig?

Korrektur: nicht in den USA, sondern bei den Vorwahlen der Republikaner. In den Primaries triumphieren rechts wie links gemeinhin die radikaleren Kandidaten, weil sie die Stammwähler besser mobilisieren können. Richtig gewählt aber wird erst im November, und dann heißt es, die breite Mitte zu erobern. Ob Palin dann immer noch so mächtig ist, hängt davon ab, wie wütend die Wechselwähler auf Obama sind. Der sinkt stetig ab in der Volksgunst; so mancher Bewerber der Demokraten hat höflich auf seine Wahlkampfhilfe verzichtet.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Guido W. war gerade in Belgrad, um die Serben zu ermahnen, sich mit der Abspaltung des Kosovo abzufinden. Besser, er hätte die Parteifreunde ermahnt, sich mit seinem Vorsitz abzufinden. Denn die Hintersassen in der Provinz nagen immer frecher an seinem Stuhl. Auslandsreisen sind in solchen Zeiten zu vermeiden. Denn: Kaum ist die Katze weg, mopsen sich die Mäuse, und viele Nager sind des Zimmertigers Tod.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: mos

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