Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

DSK vom Pranger nehmen und eine „politische Lösung“ für Libyen imaginieren

Der Umgang der Amerikaner mit Dominique Strauss-Kahn verärgert viele Franzosen. Zu Recht?

„WmdW“ ärgert sich aus einem anderen Grund. Das ist der „perp walk“ (von „perpetrator“ – Täter), bei dem der Verdächtige in Ketten vor einer Fotografenmeute zum Haftrichter geführt wird. Bei diesem Spießrutenlaufen wird er wie ein Schuldiger behandelt und so vernichtet, bevor er die Schutzrechte der US-Verfassung genießen darf. Der Begriff „ordentliches Verfahren nach Recht und Gesetz“ taucht gleich zwei Mal auf: im 5. wie im 14. Zusatzartikel. Ob DSK oder irgendjemand: Er gerät an den Pranger, bevor seine Schuld bewiesen ist; das ist unfair und grausam und gehört abgeschafft.

Obama, Bibi und der Nahe Osten: Wann gibt es endlich einen Palästinenser-Staat?

Wenn beide Seiten ihre Träume aufgeben. Die Palästinenser müssen sich klar zur Anerkennung Israels durchringen, also auf Haifa verzichten, wenn sie Hebron kriegen wollen. Das heißt auch: kein Rückkehrrecht; das wäre der demografische Tod des jüdischen Staates. Die Israelis müssten den Traum von „Judäa und Samaria“ aufgeben, also die Siedlungen im Inneren der Westbank räumen und den arabischen Teil Jerusalems freigeben. Der Rest ist Gebietstausch. Aber leider geht es nicht nur um Land, sondern auch um Legitimität. Beide sind noch nicht so weit.

Mehr als 40 Prozent der Spanier unter 25 Jahren sind arbeitslos. Drohen auch in Europa Revolten wie in Arabien?

Anders als jeder arabische ist Spanien ein demokratischer Rechtsstaat. Er funktioniert bloß nicht sehr gut. Sonst wären die Abermilliarden, die eine Immobilienblase aufgepumpt haben, in Wirtschaftszweige mit bleibenden Jobs geflossen. Der Euro ist Teil des Problems. Er schenkte den Spaniern niedrige Zinsen, die die Inflation trieben und die Wettbewerbsfähigkeit senkten, weil das Sicherheitsventil der Abwertung blockiert wurde (siehe auch die anderen Pleiteländer). Das Bildungssystem ist im Ranking der OECD ganz unten. Der Arbeitsmarkt schützt die Jobhabenden und grenzt die Jungen aus. Nur: Die Demonstranten protestieren gegen den Sparkurs, nicht für die Reform.

Ein Wort zum Außenminister…

Guido W. setzt in Libyen weiter auf die „politische Lösung“, wie er sagt. Die wünscht sich „WmdW“ auch. Und das machen wir so: Gaddafi und die Rebellen treffen sich bei Borchardt in Berlin (nur Saft, kein Alkohol). Dort gibt er zu, dass 42 Jahre genug sind. Die Rebellen versprechen ihm eine Professur in Tripolis, wo er islamische Zeltarchitektur lehren darf. Sie selber übergeben ihre Waffen an die Nato und stellen sich freien Wahlen, die von W. beaufsichtigt werden. Schon ist der Kampf um Leben und Tod vorbei, und W. kriegt den Friedensnobelpreis.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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