Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Schweine zwitschern hören und an Wahlkampfrhetorik scheitern.

Christian Wulff bleibt Bundespräsident. Ist das richtig?

Richtig ist, dass er etwas bislang Unmögliches geschafft hat: eine „Koalition der Nationalen Einheit“ in den Medien gegen ihn, die Links und Rechts, die Herren Doctores und Kai Diekmann umfasst. Vor so viel Eintracht gruselt es „WmdW“, weil sie den Lauf der Natur stört – als wenn plötzlich Schweine zwitscherten und Vögel grunzten. Allein um das politische Kräftespiel zu retten, muss man sich vor den bedrängten Wulff stellen, okay, wenigstens neben ihn. „WmdW“ tut das auch aus schnödem persönlichen Interesse, nachdem die ZDF-Kollegin Schausten im W.-Interview das „Luftmatratzen-Prinzip“ formuliert hat, etwa: Auf der dürfe man bei Freunden umsonst schnarchen, aber nicht im Himmelbett von Millionären. „WmdW“ möchte nicht erst die Steuererklärung seiner Freunde checken, damit er nach dem Abendgebet („Lieber Gott, mach mich fromm“) den Schlaf der Gerechten schlafen kann.

Der Iran droht mit einer Blockade im Persischen Golf. Wie ernst ist die Lage?

„WmdW“ fände die Blockade ganz nützlich, weil sich der Iran so selber die härtesten Sanktionen auferlegt. Denn sein Ölexport (hauptsächlich durch besagten Golf) macht 80 Prozent seiner Deviseneinkünfte und 60 Prozent seines Haushalts aus. Zudem würde Teheran seinen besten Freund, China, in die Bredouille bringen, Irans wichtigsten Ölkunden, der zudem noch auf den ungestörten Ölfluss aus Saudi-Arabien angewiesen ist. Aber es wird noch schlimmer: Peking ist auch der beste Waffenlieferant, will dafür aber Bares sehen, das wiederum aus den iranischen Ölquellen sprudelt. Amerika könnte es verschmerzen: Es importiert nur die Hälfte seines Verbrauchs, und von der kommt nur ein Viertel aus dem Golf. Fazit: keine Golf-Blockade.

Zehn Jahre Guantanamo. Warum schließt Obama das Lager nicht?

Aus den bekannten Gründen: Er möchte nicht, dass die Gefangenen wieder in denn Terror-Kreislauf zurückkehren, will aber den Kombattanten, die keine gewöhnlichen Kriminellen sind, nicht die weitläufigen Privilegien schenken, die normale Verdächtige unter amerikanischem Recht haben. Leider will sie auch niemand anders haben; auch die Berliner wissen, was sie sich mit diesen Leuten aufhalsen würden. An Obama zeigt sich wieder einmal die Kluft zwischen nobler Wahlkampfrhetorik und hässlicher Realität, wenn man erst einmal an der Macht ist.

Ein Wort zum Außenminister …

Lieber zu seiner Partei, der FDP, die zuletzt bei zwei Prozent in den Umfragen angelangt ist. Zurzeit wüsste man nicht, weshalb man die FDP wählen sollte. Gebraucht aber wird eine liberale Partei, heute mehr denn je, da wir alle christlich-grüne Sozialdemokraten geworden sind. Zumindest wäre der politische Diskurs dann etwas unterhaltsamer.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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