Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Auf Yogi Berra hören, das italienische Wort für „Chuzpe“ suchen und Party.

Die US-Republikaner nach der Vorwahl in South Carolina: Wird die Präsidentschaftswahl nun doch spannend?

Die Vorwahlen am Samstag hat Newt Gingrich gewonnen. Damit hat der schon abgeschriebene Kandidat wieder Oberwasser. Nur hält „WmdW“ für alles, was mit US-Wahlen zusammenhängt, die Weisheit des größten amerikanischen Baseball-Spielers (und Philosophen!) Yogi Berra bereit: „It ain’t over, till it’s over“ – vorbei isses erst, wenn’s vorbei ist. (Lenny Kravitz hat daraus einen Song gemacht.) Wer gerade vorne ist, wird zur Zielscheibe. Unter den Spitzenreitern hat Gingrich eine wilde Vergangenheit am Hals, und plötzlich erfahren wir, dass Romney eine Viertelmilliarde Dollar an Privatvermögen angehäuft hat, aber nicht, wie und woher. Er soll auch Konten in Steueroasen unterhalten, behauptet der TV-Sender ABC. Fazit: Wo der Überraschungsfaktor so hoch ist wie in der amerikanischen Politik, behält Yogi Berra immer recht.

Was lehrt uns der Untergang der „Costa Concordia“ über Italien?

„WmdW“ verbittet sich diese Suggestivfrage, weil er Bella Italia so liebt. Er bewundert das Saper vivere (die „Lebenskunst“) des Käpt’n Schettino, der gut gelaunt beim Essen saß, als das Schiff auf die Klippen zufuhr, auch seine coole Haltung, als er nach der Kollision eine „kleine technische Störung“ meldete. Er sei ins Rettungsboot „gerutscht“, bevor die Passagiere von Bord waren? Kein Wunder, wenn das Schiff auf der Seite lag. Echte Grandezza bewies er mit der Aussage, er hätte viele Menschenleben gerettet, indem er das Schiff nach dem Crash dichter an die Küste manövriert hatte. Die kriminelle als gute Tat zu verklären – das schafft kein tumber Germane. „WmdW“ muss noch rausfinden, was „Chuzpe“ auf Italienisch heißt.

In dieser Woche findet das Weltwirtschaftsforum in Davos statt: Worüber soll dort geredet werden?

Ist doch klar. Über die Weltwirtschaftskrise II und die Schuldenkrise I. Über das Unvermögen der westlichen Staaten, wie ein guter Familienvater zu leben, also nicht mehr auszugeben, als man einnimmt. Über demokratische Regierungen, die in normalen Zeiten ganz gut funktionieren, aber mit großen Krisen so schlecht fertig werden wie gewisse italienische Kapitäne mit ihren Kreuzfahrt-Kolossen. Über eine Informationsflut in Echtzeit, die Wissen und Verstehen überschwemmt. Angela Merkel, die die Tagung der 3000 eröffnet, wird ihnen sagen, wo’s langgeht.

Ein Wort zum Außenminister …

Der Nicht-mehr-FDP-Chef hat seinen Fünfzigsten gefeiert, und alle kamen. Wieder bewahrheitet sich „WmdWs“ Eisernes Gesetz der demokratischen Politik: „Die Hauptfunktion jeder neuen Führung ist es, die alte gut aussehen zu lassen.“ Guido W. wirkt im rosigen Licht des Rückblicks wie eine Mischung aus Solon und Theodor „Papa“ Heuss.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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