Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Über Republikaner klagen, sich um die SPD sorgen, Westerwelle im Amt lassen.

Barack Obama setzt sich im Streit über den Haushalt durch. Hat er auch gesiegt?

Klarer sieht der Verlierer aus: die Republikanische Partei. Sie wusste, dass sie wie beim letzten Shutdown (1995/96) die Hauptlast der Schuldzuweisung tragen würde. Obama hat die Republikaner zwar endlos provoziert, aber die haben sich als politikunfähig erwiesen. Sie sind im Griff der Tea Party (etwa 80 Abgeordnete) zur Protestpartei geworden. Nun ähneln sie ihren rechtspopulistischen Schwestern von Österreich bis Skandinavien. Die wollen nicht an der Macht teilhaben, sondern Wut gegen das System artikulieren. Wenn die Republikaner diesen tödlichen Virus nicht besiegen, verlieren sie Kongress- (2014) und Präsidentschaftswahl (2016).

Deutschland auf dem Weg zur großen Koalition. Kann sie auch Großes leisten?

Die Große Koalition I (1966-69) hat Großes geleistet: die Ostpolitik in Gang gesetzt, gegen den Widerstand der Union. Die GK II (2005-09) hat so gut in der Weltfinanzkrise agiert, dass Deutschland noch am besten von allen aus ihr herauskroch. Das Problem mit GK III: Wir haben es nicht mehr mit einer selbstbewussten SPD zu tun. Den Zenit hat sie in der Ära Schröder überschritten, und unsichere, zerrissene Parteien sind nicht die besten Partner. Sie pochen auf Identität und schielen andauernd auf den linken Flügel. Außerdem ahnen sie: Wer immer mit Merkel ins Bett geht, wacht hinterher tot (FDP) oder halbtot (die SPD 2009) wieder auf.

Die Türkei verrät dem Iran die Identität israelischer Spione. Was treibt Erdogan in die Arme der Mullahs?

Diese Story des „Washington-Post“-Kolumnisten Ignatius basiert auf „informierten Quellen“, und der türkische Außenminister Davutoglu bezeichnet die Enthüllung, die sich auf vergangenes Jahr bezieht, als „komplett erfunden“. Aus Jerusalem: „no comment“. Wäre sie wahr (WmdW hält sie für möglich), wäre es ein weiteres Zeichen der Unberechenbarkeit und Irrationalität eines Erdogan-Regimes, das im Sommer einen Turmfalken wegen Spionageverdacht für Israel festgenommen und geröntgt hatte. Er war unschuldig und durfte weiterfliegen.

Ein (letztes) Wort zum Außenminister...

Mal sehen, ob es das letzte zu Guido W. ist. WmdW hat vergangenen Montag an dieser Stelle mit Blick auf das Koalitionsgeschacher geschrieben: Warum nicht Guido W. als AA-Chef behalten; schließlich war es Genscher 18 Jahre lang. Und die FDP bliebe, obwohl nicht mehr ganz lebendig, im System. Das hat „Bild“-Kollege Müller-Vogg wohlwollend aufgenommen, etwa: nicht ganz ernst gemeint (richtig), aber machbar (?). Also sei der Vorschlag „nicht ganz verrückt“. Diese Diagnose ist beruhigend, weshalb WmdW weiter solche bahnbrechenden Ideen lancieren wird.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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