Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Obamas Geburtstag vergessen und nicht per Roller zur Geliebten fahren.

Barack Obama will im Ausland weiter spionieren wie bisher. Wie soll Angela Merkel darauf reagieren?

Nicht jammern, allenfalls symbolische Vergeltung üben – etwa demonstrativ Baracks Geburtstag vergessen. Ein „NoSpy“-Abkommen ist wertlos, weil nicht überprüft werden kann, was im Geheimen abläuft. Berlin muss erwachsen werden und sich für den Cyber-Krieg rüsten. Die Abhörer müssen abgewehrt werden wie Einbrecher. Wobei die Schlösser ständig raffinierter werden müssen; das Duell im Dunkeln hört nie auf. Das gilt übrigens auch für die lieben Freunde in England und Frankreich, und für Russland und China. Und für Google und Co.

Die Verbindung zwischen Frankreichs Präsident Hollande und der Schauspielerin Julie Gayet sorgt für Schlagzeilen. Nutzt ihm das oder schadet ihm das?

Nach dem „Oh là là“-Klischee nutzt es einem Mann, der plötzlich über sein Image als gehobener Buchhalter hinausgewachsen ist. WmdW beklagt einen anderen Sittenverfall: Dass das Persönliche zum Politischen geworden ist. Die Amouren des John F. Kennedy ließen sich nicht zählen. Valéry Giscard d’Estaing wurde von seinen Sicherheitsleuten genötigt, die jeweilige Telefonnummer in einem versiegelten Umschlag zu hinterlassen, falls in der Nacht der Dritte Weltkrieg ausbräche (es gab keine Handys). Ansonsten blieb es sozusagen unter der Decke. WmdW muss allerdings die Spießigkeit Hollandes geißeln. Als Mann von Rang fährt man nicht auf dem Roller zu seiner Kebse.

Die Ägypter haben mit großer Mehrheit einer neuen Verfassung zugestimmt. Kommt die Arabellion doch noch zu einem guten Ende?

Das ist die gute Nachricht; es waren mehr als 90 Prozent, was höchste Zustimmung signalisiert. Allerdings war die Wahlbeteiligung sehr gering – so gering wie bei der Abstimmung über die islamistische Verfassung des geschassten Mursi. Heute 37, damals 33 Prozent. In beiden Fällen haben die jeweiligen Gegner den Prozess boykottiert. Unterstellen wir aber, dass die Ägypter wieder unter eine zivil gekleidete Militärherrschaft zurückkehren wollen, wie unter Nasser, Sadat und Mubarak. Das ändert nichts daran, dass die arabischen Schlüsselstaaten gescheitert sind oder scheitern: Syrien, Irak, Libyen. Dort ist der „Frühling“ zum Kampf aller gegen alle verkommen.

Ein Wort zum deutschen Außenminister...

Der Mann muss geduldig das Volk an das strategische Denken heranführen: Welche Interessen haben wir, und welche Mittel? Im Kontrast zur Vorstellung, dass man mit jedermann gut Freund sein beziehungsweise auch Gegner mit freundlichen Worten begöschen könne. Harte Kärrnerarbeit, weil überall im Westen das realpolitische Denken verblasst.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

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