Zeitung Heute : Virtuelle Illusionen in der "Multimedia-Höhle"

KLAUS TSCHARNKE (dpa)

3D-Forscher machen geplante Gebäude und Räume virtuell erlebbarVON KLAUS TSCHARNKE (dpa)Noch existiert das neue Automodell nur auf dem Reißbrett.Doch Matthias Unbescheiden hat in der neuen Limousine längst Probe gesessen.Von dem Flugzeugcockpit gibt es kaum mehr als ein paar Zeichenrollen.Gleichwohl haben der Diplom-Informatiker und seine Kollegen bereits "Versuchsflüge" damit absolviert.Die Wirklichkeit erleben, noch bevor sie Gestalt annimmt - das erlaubt derzeit kein anderer Ort auf der Welt so perfekt wie ein knapp 14 Kubikmeter großer Würfel aus Holz, Leinen und extrem haltbarem Spezialglas in Darmstadt.Die hochmoderne Illusions-Maschine, Fachleute nennen den "Projektionsraum für eine virtuelle Umgebung" kurz "Cave" (englisch: Höhle), steht im Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung.Multimedia-Fachleute haben dort die 3D-Technik auf die Spitze getrieben - und machen damit neu entwickelte Industrieprodukte, geplante Gebäude und Räume virtuell erlebbar.Die Darmstädter "Multimedia-Höhle" ist eine Verbesserung der dreidimensionalen Abbildungs-Technik: Werfen konventionelle 3D-Techniken computeranimierte Darstellungen nur auf eine Projektionswand, so werden in der "Cave" entprechend aufbereitete Bildsequenzen gleich auf fünf Innenwände des Würfels projiziert, die sechste Wand bleibt als Zugang offen.Rechner sorgen in Verbindung mit einer elektronischen Brille - einem Cyberspace-Helm nicht unähnlich - für die totale räumliche Illusion des Betrachters.In welche virtuellen Welten der Betrachter beim Betreten des Würfels taucht, bestimmt die Software.Ein Programm erlaubt einen virtuellen Spaziergang durch Frankfurts Innenstadt, ein anderes macht den Besucher zum Taucher inmitten eines aus Bits und Bytes bestehenden Ozeanariums, dessen Haie und andere Bewohner die Besucher der diesjährigen Weltausstaustellung in Portugal beeindrucken sollen.Doch Hauptkunden der Darmstädter Multimedia-Forscher sind Industrieunternehmen."Am stärksten mitbeeinflußt hat das Ganze die Autoindustrie", berichtet Unbescheiden, der den Projektbereich Virtuelle Realität beim Darmstädter Fraunhofer-Institut leitet.Die Autokonstrukteure hatten bereits früh erkannt, wieviel Modellbauer- Arbeitsstunden sich sparen lassen, wenn sich neu gestaltete Karosserien zunächst als interaktive 3D-Darstellungen begutachten lassen.

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