Zeitung Heute : Virtuelle Welten

MAURICE SHAHD

Das Wort "virtuell" kommt aus dem Lateinischen und heißt laut Duden "der Kraft oder Möglichkeit nach vorhanden".Übersetzt in die Computersprache heißt das dann soviel wie - etwas ist da, was eigentlich doch nicht da ist.Ein Beispiel aus dem technischen Bereich ist der virtuelle Arbeitsspeicher.Reicht der physisch vorhandene Arbeitsspeicher eines Computers nicht aus, sind moderne Betriebssysteme in der Lage, stattdessen einen Bereich auf der Festplatte als zusätzlichen Arbeitsspeicher zu nutzen.Da die Zugriffszeit auf die Festplatte um ein Vielfaches höher ist als auf Speicherchips, sind Zugriffe auf den virtuellen Arbeitsspeicher sehr langsam.Der Computernutzer kennt das, wenn er viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet hat und plötzlich die Festplatte längere Zeit "rödelt".



Unter virtueller Realität versteht man auch dreidimensionale Welten, die von Computern künstlich erzeugt werden.Ein anderer Begriff hierfür ist der Cyberspace.Die Erschaffung und Nutzung künstlicher Welten, die aus dreidimensionalen Objekten (Personen, Gegenständen, Landschaften) besteht, wurde erst durch die Entwicklung leistungsfähiger Computer und der dazugehörigen Software möglich.Mit speziellen Geräten wie Datenhelm, Datenhandschuh oder Datenanzug kann der Anwender in die virtuelle Realität des Rechners eintauchen und mit dieser interaktiv kommunizieren.Der Computer reagiert auf die Bewegungen, virtuelle Gegenstände können erfaßt oder bewegt werden.



Durch die Gestaltung von virtuellen Welten soll - abgesehen von Spielen - die Wirklichkeit möglichst realitätsnah nachgebildet werden.Anwendung findet die virtuelle Realität in den verschiedensten Bereichen, von der Medizin über die Luft- und Raumfahrt bis zur Kunst.In der Medizin werden Systeme getestet, die Fernchirurgie mittels virtueller Realität erlauben.Der Patient selbst kann sich an einem beliebigen Ort der Welt befinden.Die operativen Handgriffe des Chirurgen werden mit Hilfe eines synchron arbeitenden Chirurgie-Roboters am wirklichen Körper des Patienten ausgeführt.Weltweit gefragte Spezialisten könnten auf diese Weise problemlos auf der ganzen Welt tätig werden.



Beeindruckende Möglichkeiten bieten sich auch Architekten und Raumgestaltern.Sie erhalten durch die virtuelle Realität einen authentischen Eindruck der gestalteten Gebäude und Räumlichkeiten.Für Furore sorgte IBM auf der CeBIT 98: Ausgestellt war ein begehbares, virtuelles Modell der Dresdner Frauenkirche.





Auch im Bereich der Unterhaltung wird zunehmend auf virtuelle Realitäten gesetzt.Mit Datenhelm und Datenhandschuh ausgerüstete Spieler können sich durch künstliche Fantasie-Welten bewegen und zahlreiche Abenteuer erleben.Meist besteht das Abenteuer darin, einen imaginären Feind zur Strecke zu bringen.

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