VOCAL JAZZDianne Reeves & Raul Midón : Ein Licht in dunkler Zeit

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Die Achtziger waren kein gutes Jahrzehnt für weiblichen Jazzgesang. Von den großen Diven – Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan, Nina Simone, Eartha Kitt – kamen längst keine neuen Impulse mehr, aus der jüngeren Garde schien noch niemand bereit, ihre Nachfolge anzutreten. Und eine aufregend neue, von der Last der Tradition unbeschwerte Newcomerin wie Norah Jones, die zumindest kommerziell für die größte Jazzrevolution des 21. Jahrhunderts sorgte, war noch lange nicht in Sicht.

In dieses Vakuum schlich sich auf eher leisen Sohlen Dianne Reeves und wurde zu einer der wichtigsten Jazzinterpretinnen ihrer Generation. Geboren 1956 in der Motown-Metropole Detroit, kam sie durch die ausgezeichneten Kontakte ihrer Musikerfamilie, darunter ihr Cousin, der Keyboarder und Zappa-Sideman George Duke, früh mit Größen des Fachs in Berührung. Zu ihrem Mentor wurde Trompeten-Altmeister Clark Terry, später sang sie in den Tourbands von Sergio Mendes und Harry Belafonte. Waren ihre ersten Platten noch eklektische Songsammlungen mit diffusen Folk- und Weltmusikeinflüssen, so gewann ihre Karriere spätestens durch den 1987 unterzeichneten Vertrag mit dem Vorzeigelabel Blue Note an Kontur. Seither ist Dianne Reeves ein auf Jazzfestivals und Solotourneen umjubelter Star. Keine Revolutionärin zwar wie Ella, keine Wildkatze wie Eartha, kein fragiles Juwel wie Sarah, aber eine tolle, mitreißende, variationsreiche Performerin. Zweifellos eine der besten ihrer Ära. Auf der aktuellen Tournee wird sie begleitet von dem blinden Jazz-Songwriter Raul Midón, dessen dynamisches Gitarrenspiel und virtuoser Scatgesang vorzüglich mit der Vokalakrobatik von Dianne Reeves harmonieren.Jörg Wunder

Kammermusiksaal, Mi 26.1., 20 Uhr, 35-44 €

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