Zeitung Heute : Vogts plant bis zum Jahr 2010

PARIS (dpa).Mit dem WM-Startschuß für die deutsche Nationalmannschaft beginnen für Berti Vogts zum vierten Mal bei einem großen Turnier die kritischsten Stunden seiner Laufbahn als Bundestrainer.Seine Pläne als Cheftrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) reichen zwar bis zum Jahr 2010, aber mit jeder WM und EM ist ein hohes Risiko verknüpft."Ich stehe im Wort bei unserem Präsidenten Egidius Braun, aber wenn man in der Vorrunde 0:5 gegen die USA oder 0:3 gegen den Iran verliert, ist man nicht mehr haltbar", sagte der 51jährige vor WM-Beginn, unterstrich aber gleichzeitig: "Ich habe einen wunderschönen Job, der Spaß macht."

Braun hält den seit 1990 als Beckenbauer-Nachfolger amtierenden Vogts für unersetzbar im DFB, nicht nur als Trainer der Nationalelf, sondern auch als Hauptverantwortlichen für den gesamten sportlichen Bereich: "Er ist überall fest eingebunden.Wir können gar nicht auf ihn verzichten." Vogts, der das DFB-Team 1992 und 1996 bei den Europameisterschaften jeweils ins Finale führte, aber vor vier Jahren bei der WM in den USA mit dem Viertelfinal-Aus ein Debakel erlebte, hat selbst den Blick schon über die Titelkämpfe in Frankreich gerichtet: "Es ist unheimlich interessant, eine neue Mannschaft aufzubauen", formulierte er das Ziel für die nächsten Jahre.

Vogts schaut sogar schon in das nächste Jahrhundert."Die jetzt 16jährigen sind das Potential der Nationalmannschaft für die WM 2006 in Deutschland.Soweit ist das gar nicht mehr weg", sagte der oberste deutsche Fußballehrer, der einer intensiven Nachwuchspflege eine besondere Bedeutung einräumt.Langfristiges Denken und Handeln sowie eine große Bodenständigkeit haben den gelernten Werkzeugmacher schon immer geprägt.Als Profi hat er Borussia Mönchengladbach 14 Jahre lang nicht verlassen.Nahtlos wechselte er dann als Junioren-Coach zum DFB, für den er nun schon seine achte Weltmeisterschaft erlebt - als Spieler (1970/74/78), als Assistenztrainer (1982/86/90) und als Chefcoach (1994/98).

Die Darstellungen in einigen Medien im Vorfeld der WM, er habe sich gewandelt, kann Vogts nicht nachvollziehen: "Ich war früher genauso, man hat es nur nicht erkannt.Ich wundere mich manchmal, daß ich jetzt ein ganz anderer Mensch sein soll als 1988 oder 1994", erklärte er.Im Prinzip ist der "neue" Vogts aber der alte Vogts geblieben.Und gegenüber den Medien ist er unverändert mißtrauisch.

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