Zeitung Heute : Volker Kauder?
„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Volker Kauder (CDU) könnte nach der Wahl vielleicht Kanzleramtsminister werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.
AMT: Jetzt gerade ist Volker Kauder das,was er nicht werden wollte: Generalsekretär der Bundes-CDU. Nicht, dass er es nicht könnte, was da verlangt wird. Er kann organisieren, zusammenführen, motivieren. Und ein Kämpfer ist dieser Konservative allemal. Das hat er immer wieder gezeigt, auch als Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, wo er für den sperrigen Erwin Teufel erfolgreiche Wahlkämpfe plante.
Dass Teufel siegte, hat auch mit Kauder zu tun, weil der es verstand, ihn zum ideellen Baden-Württemberger zu machen. Aber Angela Merkel hat schon ziemlich an Kauder zerren müssen, um ihn in dieser Funktion ins Konrad-Adenauer-Haus zu holen. Ein bisschen was hat sie ihm außerdem versprechen müssen… Nur versteht sich Kauder eben auch als Parteisoldat, für den gilt: Manchen Aufgaben darf man sich nicht entziehen. Deshalb ist er ja seinem Freund Friedrich Merz so gram: weil der sich benahm, wie sich ein verantwortlicher Christdemokrat nicht benimmt, wie Kauder meint. Der hat in stürmischer See das Schiff verlassen und soll nun, bei schönerem Wetter, zurückgeholt werden? Nein, so was tut man nicht, weder geht man so, noch holt man dann jemanden einfach wieder zurück. Diese Vorstellung passt nicht zu Kauders Überzeugungen, Freund hin, Freund her.
AMBITIONEN: Oh ja, die sind groß. Der Mann will nicht nur gewinnen, was hieße, ein paar Prozentpunkte für die CDU hinzu, sondern er will siegen. Und dann ins Kanzleramt einziehen als, wie der Titel offiziell lautet, „Bundesminister für besondere Aufgaben“. Dort machte er im Grunde dann das, was ein Erster Parlamentarischer Geschäftsführer einer Fraktion macht, nur eben auf Regierungsebene: im Hintergrund Themen vorbereiten, Zeitpläne erstellen, Arbeitsaufträge verteilen, Mehrheiten organisieren, die Zusammenarbeit mit den Ministerpräsidenten koordinieren. Strippen ziehen, aber auf höchstem Niveau. Wichtig sein, aber nicht auffällig. Fraktionsgeschäftsführer war Kauder so gerne, dass er es noch lieber bis zum Regierungswechsel geblieben wäre. Ein großer Redner vor dem Herrn ist Kauder ja auch nicht, genauso wenig ein Polit-Philosoph; deshalb wollte er nicht noch einmal Generalsekretär werden. Er, der früher mal stellvertretender Landrat am Bodensee war, hat es mehr mit den praktischen Folgen von Politik, bei denen kennt er sich aus. Da liegt seine Stärke. Er weiß halt, was er kann.
AUSSICHTEN: Hohe. Erst einmal wird Merkel, sollte sie siegen, wissen, was sie ihm zu verdanken hat: Geschlossenheit der CDU-Truppe, soweit die überhaupt herzustellen ist. Außerdem gute Laune im „teAM“, will sagen im Team des Adenauer-Hauses für die Chefin. Dafür ist guter Lohn fällig. Und der wäre klar; jedenfalls dann, wenn es so kommt und Kauder sich was aussuchen kann. Es gibt nur noch ein Amt, das auf ihn auch zukommen kann, und das ist das des Fraktionschefs von CDU und CSU. Es kann nämlich sein – gesetzt den Fall, die Union darf regieren –, dass die CSU und die Ministerpräsidenten nur ihn als Merkel-Nachfolger akzeptieren. Bei denen, die immer gerne mitreden, hat Kauder den besten Ruf von allen, die im Moment für diesen Posten gehandelt werden. Man kennt sich ja schon Jahre, aus verschiedenen Funktionen. Nicht zu vergessen: die Besonderheit der CSU-Landesgruppe – Kauder hat mal die der Baden-Württemberger geführt, die wegen ihres Zusammenhalts auch etwas ziemlich Besonderes in der Unionsfraktion ist…
WAHRSCHEINLICHKEIT: Wenn Merkel siegt, gewinnt Kauder. Ob sie siegen kann, wird sich im TV-Duell zeigen. Am Tag vorher hat Kauder 56. Geburtstag.





