Zeitung Heute : Volle Kanne

Sacha Verna

Hawaiisumpfhühner, Assam-Tee und Hitler - auf diese Kombination muss man erst mal kommen. Und wenn man weitergeht wie Janice Deaner und vom Kindheitstrauma bis zur Altersdepression alles aufbietet, was es an Traurigkeiten gibt auf dieser Welt, dann findet sich sicher jemand, der das als Roman verkauft. "Schatten der Vergangenheit" handelt vom Holocaust und seinen Kindern, von unglücklicher, zwanghafter und lesbischer Liebe, vom Artensterben und von politischen Unruhen. Der Wissenschaftler Will, der in indischen Nationalparks eigentlich nach den Spuren ausgestorbener Lebewesen sucht, stößt statt auf Gelbbürzelmambos und Kolagimpel auf Grace, eine geheimnisvolle blonde Schönheit, deren Gatte, ein Plantagenbesitzer, krank daniederliegt und seiner Gemahlin Intimitäten mit einem Mannweib namens Stella längst nicht mehr übel nimmt. Während im Hintergrund Inder Indern die Köpfe einschlagen, werden Will und Grace ein Paar. Janice Deaner meint es offenbar ernst mit diesem Verschnitt aus Tropenromantik, Terror und pädagogisch wertvollerTragik. "Kitsch-as-kitsch-can": Will entdeckt die "unmittelbare Verbindung" zwischen Graces "Weiblichkeit und seinem Begehren" in der Abenddämmerung, als er die weiß gewandete Grace auf ihrem schwarzen Araberhengst den Fluss entlang reiten sieht. Süsse Inderchen flüstern scheu "Memsahib", und gute Amerikaner schenken Bettlern Samosas. Da kreischen doch die Krausschwanz-Mohos.

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