Zeitung Heute : Vollmond: Physik: Wie Ebbe und Flut entstehen

An vielen Küstenorten erfahren die dort lebenden Menschen täglich, wie der Mond das Leben auf der Erde beeinflusst: Innerhalb von 12 Stunden und 25 Minuten steigt und fällt dort der Meeresspiegel um manchmal mehrere Meter. Dieses Phänomen der Gezeiten gehorcht dem Gesetz der allgemeinen Gravitation und beruht auf dem Zusammenwirken zweier Kräfte, nämlich der Anziehungskraft des Mondes und der Zentrifugalkraft, die bei der Rotation von Erde und Mond um einen gemeinsamen Schwerpunkt entsteht.

Auf der mondnahen Seite der Erde herrscht die Anziehungskraft des Mondes vor und zieht das leicht bewegliche Meerwasser zu einem Wasserberg zusammen. Auf der gegenüberliegenden Seite überwiegt die Zentrifugalkraft der Erde-Mond-Rotation. Da sie, vom Erdmittelpunkt gesehen, nach außen gerichtet ist, entsteht auch hier ein Flutberg. Aufgrund der Erdrotation wandern die Wasserberge auf der Erdoberfläche in östlicher Richtung.

Die Höhe der Flutwelle in Küstennähe wird von den angrenzenden Ozeanen und der Größe und Gestalt des Meerbeckens bestimmt. In den großen Ozeanen bilden sich in Abhängigkeit von ihrer Gestalt und Tiefe Gezeitenschwingungen aus. Die Gezeiten kleinerer Randmeere, wie z.B. der Nordsee, werden fast ausschließlich durch das Mitschwingen mit den angrenzenden Ozeanen verursacht und nur zu einem sehr geringen Teil durch die unmittelbare Einwirkung der gezeitenerzeugenden Kräfte. Ist das Meerbecken breit, wie etwa im Mittelmeer, steigt und fällt das Wasser nur geringfügig. In schmalen Becken, so in der kanadischen Fundy Bay, kann der Meeresspiegel dagegen beträchtlich schwanken; die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser ist dort mit 15 Metern weltweit am größten.

Neben dem Mond übt auch die Sonne eine fluterzeugende Wirkung aus, die jedoch aufgrund der großen Entfernung nicht an die des Mondes heranreicht. Bei Voll- oder Neumond, wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen, addieren sich die Wirkungen beider jedoch und es gibt besonders starke Gezeiten, die Springtiden. Stehen Sonne und Mond von der Erde aus gesehen nahezu in einem rechten Winkel, wird der Einfluss des Mondes durch die Sonne herabgesetzt. Bei Halbmond fallen die Gezeiten geringer aus und werden als Nipptiden bezeichnet.

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