Zeitung Heute : Volvo feiert 75. Geburtstag

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Die Volvo-Händler weltweit feiern an diesem Wochenende. Denn die schwedische Traditionsmarke hat in diesem Jahr einen wichtigen Geburtstag. Und die Feiern dazu beginnen bereits in diesen Tagen. 75 Jahre sind vergangen, seit der erste Volvo-Personenwagen auf seinen vier Rädern stand. Zwei Jahre zuvor hatten die beiden Gründungsväter von Volvo, Assar Gabrielsson und Gustaf Larson, die sich mehr zufällig in Urbans Café in Stockholm getroffen hatten, bei einem Krebsessen im Stockholmer Restaurant Sturehof beschlossen, eine Automobilfabrik zu gründen. Ein Vorhaben, für das sie ein Startkapital von 200 000 Kronen einsetzten - wenig, aber genug.

ÖV4 hieß der erste Volvo, wobei die beiden Buchstaben für Öppen Vagn standen. Bekannt geworden ist dieses Modell auch unter dem schlichten Namen Jakob. Dieses Auto aus dem Werk Hisingen bei Göteborg war ein Cabriolet. Nicht gerade eine ideale Konstruktion für den Ganzjahresbetrieb im Norden Europas. Trotzdem brachte es der ÖV4 auf eine Stückzahl von 200 Exemplaren, die zu einem Preis von 4800 Kronen verkauft wurden.

Nicht aufregend, aber zuverlässig

Der Jakob war alles andere als ein aufregendes Auto. Denn er beruhte auf bewährter Technik und hatte einen Zweiliter-Vierzylinder mit 25 bis 30 PS. Über ein unsynchronisiertes Dreigang-Getriebe gelangte die Kraft des Motors an die Hinterräder des ÖV4. Doch trotz seiner einfachen Technik zeichnete diesen Wagen bereits aus, was Grundstein für den Erfolg von Volvo werden sollte: eine sehr sorgfältige Konstruktion und ein ebenso sorgfältiger Bau. Damit wurden Qualität, Zuverlässigkeit und Standfestigkeit zu den entscheidenden Charakteristika für die Autos von Volvo.

Deren Name stammt übrigens vom schwedischen Unternehmen SKF (Schwedische Kugellager Fabrik), dem früheren Arbeitgeber von Assar Gabrielsson, der das ruhende Tochterunternehmen Volvo AB ("Volvo" steht für "ich rolle" aus dem Lateinischen) von SKF erwarb und als Firmennamen für seine Automobilfabrik etablierte.

Aus jenen Anfangstagen stammt auch das noch heute für Volvo typische Markenzeichen - der diagonale Volvo-Streifen auf dem Kühlergrill. Der allerdings hatte damals eine völlig andere Bedeutung. Denn er war nichts anderes als eine Befestigung für das eigentliche Volvo-Symbol - das Zeichen für Eisen und damit der Hinweis auf Schwedenstahl als wichtigsten Baustoff für die Volvo-Karosserien, das zugleich das Symbol für den Mars ist. Ein Kreis mit einem schräg nach oben weisenden Pfeil. Und um dieses Zeichen an der Front des Autos zu fixieren, brauchte man eine Befestigung. Die war ein diagonaler Träger, der später zum Markensymbol mutierte.

Dem offenen ÖV4 folgte als nächstes Modell eine geschlossene Variante, die sich PV4 nannte. Und schon 1929 präsentierte Volvo mit dem PV651 seinen ersten Sechszylinder. 1935 erschien der auch Carioca genannte PV36, der mit einer neuen Linie überraschte. Und schon ein Jahr später kam mit dem PV51 der erste "kleine" Volvo auf den Markt. Damals baute Volvo bereits drei verschiedene Modellreihen mit fünf unterschiedlichen Karosserien. Und schon 1944 wurde der TPV vorgestellt, der "Terräng Person Vagn" und damit der erste Cross-Country-Volvo.

Zwei Jahre später folgte der PV60. Doch das wichtigste Modell aus jenen Jahren war der bereits 1944 erstmals gezeigte PV444, wobei die drei Ziffern für vier Zylinder, 40 PS und vier Sitze standen. 4800 Kronen kostete dieses Auto, das einer der Grundpfeiler für den späteren Erfolg von Volvo werden sollte. Denn von 1944 bis 1958 entstanden insgesamt 200 000 Exemplare dieses Fahrzeugs, das weltweit das erste mit einem Sicherheitskäfig und einer Frontscheibe aus Verbundglas war und damit Beispiel für die besondere Bedeutung, die Volvo schon früh der Sicherheit beimaß.

Mit dem Schwestermodell PV445 begann bei Volvo die Kombi-Tradition. 1953 als Duett auf den Markt gebracht blieb er bis 1969 nahezu unverändert in Produktion. Als wichtigste sichtbare Änderung gab es 1969 statt der geteilten fortan eine ungeteilte Windschutzscheibe und dazu den neuen Namen P210 Duett anstelle der Bezeichnung PV544.

Es gab Volvos, die geliebt wurden, es gab Volvos, die zur Legende wurden und es gab Volvos, die fast zum Mythos wurden - wie der sagenumwobene P1900, der heftig kritisiert wurde und zugleich bewundert. Konzipiert wurde dieser Sportler in der Hoffnung auf hohe Verkaufszahlen in den USA. So entstand in Zusammenarbeit mit der Firma Glasspar ein Kunststoff-Prototyp. Nur 67 Exemplare dieses Cabrios wurden allerdings gebaut - 50 davon sind bis auf den heutigen Tag erhalten. Zu Fall kam das Projekt mit Blick auf den Preis, der Schwindel erregende Höhen erreichte. Als der P1900 gekippt wurde, begann die Entwicklung des P1800 als Coupé. Entworfen bei Frua in Italien und mit einer in Schottland gepressten Karosserie ausgestattet wurde er zum Markterfolg in Amerika - ein wahrhaft internationaler Volvo, der zwischen 1959 und 1972 knapp 35 000 Mal verkauft wurde. Auf rund 8000 Einheiten brachte es das Schwestermodell P1800 ES - der "Schneewittchensarg".

Der erste mit Sicherheitsgurt

Entscheidend für den Erfolg des Volvo P1800 waren zahlreiche Komponenten des Volvo Amazon - des P120. Der war ein sicherer, geräumiger Viertürer mit modernem Vierzylinder-Triebwerk und wegweisenden Sicherheitsstandards. So besaß er von Beginn an Befestigungspunkte für Sicherheitsgurte und wurde 1959 als erstes Auto der Welt mit Dreipunkt-Gurten als Serienausstattung ausgeliefert - ebenso wie der PV544 übrigens. Vom P120 und dem zweitürigen P130 wurden bis 1979 fast 600 000 Einheiten verkauft und dazu von 1962 bis 1969 auch noch mehr als 70 000 Amazon-Kombis P220.

Die 1966 eingeführte Serie 140 überraschte als sicheres und langlebiges Familienauto mit Scheibenbrensen an allen vier Rädern und zwei Bremskreisen sowie einer Karosserie mit Schutzkäfig-Funktion. Sehr beliebt wurde auch der 1968 eingeführte Kombi 145, und mit dem Volvo 164 erschien der erste Sechszylinder der 140er-Serie, die 1,35 Millionen Mal gebaut wurde.

1974 erschien die Baureihe 240/260 und zum 50.Geburtstag von Volvo das sportliche Coupé 262C. 1982 erschien der luxuriöse 760 GLE, dem Vierzylinder und Kombi folgten. Und 1984 gab es einen wichtigen technischen Wandel. Denn mit der Serie 400 wechselte Volvo zum Frontabtrieb und quer eingebauten Motoren. 1991 setzte sich diese Antriebsform endgültig durch. Hiermit beginnt die aktuelle Volvo-Geschichte, zu der im 75. Jahr von Volvo der erste SUV gehört, der Volvo XC90.

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