Zeitung Heute : Vom Labor in den Chefsessel

Das Young Leaders Programm qualifiziert Nachwuchswissenschaftler für die Führungsrolle.

Paul Janositz
Er hat gut lachen. Im „Young Leaders in Science“-Programm lernen junge Wissenschaftler Führungsqualitäten. Foto: © Schering Stiftung, Foto: Daniel Flaschar
Er hat gut lachen. Im „Young Leaders in Science“-Programm lernen junge Wissenschaftler Führungsqualitäten. Foto: © Schering...

Wer komplizierte chemische Substanzen synthetisieren kann, muss nicht von vornherein Experte in Mitarbeiterführung sein. Wer die Struktur komplexer Proteine entschlüsseln kann, ist damit noch nicht versiert im Umgang mit der Presse. Kurz gesagt, wer erfolgreich in Chemie, Biologie oder Medizin geforscht und den Doktorhut erworben hat, muss nicht ein versierter Manager sein.

„Wissen in Bereichen wie Personal- und Finanzmanagement oder rechtliche Grundlagen werden in der Regel nicht gelehrt“, sagt Stephanie Roth, Organische Chemikerin an der Universität Heidelberg. Nachwuchswissenschaftler benötigen diese Kenntnisse jedoch, wenn sie eine Arbeitsgruppe aufbauen, Projektmittel beantragen und Mitarbeiter einstellen wollen – kurz wenn sie daran gehen, Führungspositionen zu übernehmen. „Es gibt einen großen Bedarf an Weiterbildung für junge Forscher auf diesem Gebiet“, sagt Sonja Kießling. Die promovierte Medizinerin ist im Vorstand der Schering Stiftung für den Bereich Wissenschaft zuständig. Solange entsprechende Angebote fehlten, bliebe den Jungforschern nur „Learning by Doing“ oder „Trial and Error“ als Alternative. Der Wunsch nach Weiterbildung wurde auf Treffen ehemaliger Schering Stipendiaten laut. Deshalb startete die Stiftung 2006 das Programm „Young Leaders in Science“. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Wissenschaftsmanagement in Speyer wurde ein modular aufgebauter Kurs ausgearbeitet, der alle zwei Jahre auf deutsch stattfindet.

Gut 20 Teilnehmer trafen sich fünf Mal je Durchgang auf dem Schwanenwerder in Berlin. „Bei den wiederholten Treffen bauen die Teilnehmer ein großes Vertrauensverhältnis auf“, sagt Kießling. Es werde offen diskutiert, auch persönliche Probleme würden erörtert. Chemikerin Roth sieht das ähnlich. Sie habe vom Austausch der Teilnehmer, die in einer gleichen oder sehr ähnlichen Situation seien, sehr profitiert.

Bewerben können sich exzellente junge Wissenschaftler aus Disziplinen der Natur- und Lebenswissenschaften, die gerade eine Führungsposition übernommen haben oder kurz davor stehen, beispielsweise als Junior-Professor oder Leiter einer Arbeitsgruppe. Bei den bisherigen drei Kursen hatte die Stiftung die Kosten ganz übernommen. Ab 2012 trägt sie nur noch die Hälfte, den anderen Teil sollen die Teilnehmer selbst beisteuern. „Wir erwarten, dass die entsendenden Forschungseinrichtungen diese Kosten in Höhe von 2965 Euro übernehmen“, sagt Friederike Petersen, Pressesprecherin der Stiftung. Die Selbstbeteiligung solle den Anreiz erhöhen, an allen Modulen teilzunehmen, auch wenn im hektischen Forscheralltag andere Verpflichtungen mit den Kursterminen konkurrieren.

Derlei Zwänge können gleich vor Ort besprochen werden, denn Zeit- und Selbstmanagement stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Kommunikationstechniken, der Umgang mit den Medien und Konfliktmanagement. Inhalte wie Führung von Mitarbeitern, Arbeits- und Personalrecht sollen Fähigkeiten für die erfolgreiche Leitung eines Teams vermitteln. Projekt-, Wissenschafts- und Finanzmanagement runden das Angebot ab. „Unter dem Aspekt der Förderung von Nachwuchs und Exzellenz passt es genau zu unseren Schwerpunkten“, sagt Kießling. Corinna Eule, Professorin an der Klinik für kleine Haustiere der FU Berlin, praktiziert das erworbene Wissen. Sie führt ein Team von vier Mitarbeitern und betreut fünfzehn Doktoranden. In ihrem Young-Leaders-Kurs seien auch einige Freundschaften entstanden. „Für 2013 ist ein Treffen geplant.“

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