Zeitung Heute : Von außen

Experten fürchten Anschläge durch Al Qaida

Frank Jansen

Die mit Abstand größte Gefahr geht weiterhin von islamistischen Terroristen aus. „Al Qaida wartet nur darauf, dass die Amerikaner Saddam Hussein angreifen“, hat ein Sicherheitsexperte schon Anfang März geäußert. Es sei zu erwarten, dass Osama bin Laden den Irak-Konflikt nutzen wolle, um Sympathiewerte in der muslimischen Welt mit Anschlägen gegen Amerikaner und andere Ungläubige zu steigern. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich vor: Die islamistische Szene in der Bundesrepublik stehe unter besonderer Beobachtung, sagt ein Fachmann. Denn auch ohne einen US-Militärschlag sei ständig mit Anschlägen zu rechnen.

Die Annahme, Al Qaida werde Deutschlands Widerstand gegen einen Krieg „honorieren“, sei schlicht naiv, heißt es in den Behörden. Vielmehr müsse man sich gerade jetzt Sorgen um die deutschen Soldaten und Polizisten in Afghanistan machen, die bei Kriegsbeginn genauso wie die Amerikaner der Vergeltung islamistischer Terroristen ausgesetzt sein könnten.

Zum Kriegsbeginn erwarten Sicherheitsexperten heftige Proteste junger Muslime in der Bundesrepublik. Militante Spontanaktionen „emotionalisierter Einzeltäter“ seien nicht auszuschließen. „Das Ausmaß der Proteste hängt von den Fernsehbildern ab, die aus dem Irak kommen“, sagt ein Fachmann. Als Problemgruppe gelten vor allem junge Palästinenser. Aber auch türkische Islamisten melden sich zu Wort. Milli Görüs, mit 27 000 Mitgliedern die größte Organisation muslimischer Fundamentalisten in Deutschland, fordert im Internet, „mit allen legitimen Mitteln“ den Druck auf die Verantwortlichen des Krieges zu erhöhen. Was Milli Görüs für legitim hält, findet sich auf der Homepage nicht.

Mit Sorge blicken die Behörden auch auf die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Sollte die türkische Armee in den Nordirak einmarschieren, wo 5000 PKK-Kämpfer leben, sei ein Ende des Gewaltverzichts der Partei zu befürchten, sagt ein Experte. Und erinnert an Blockaden von Autobahnen, den Sturm auf das israelische Generalkonsulat in Berlin und Selbstverbrennungen fanatischer PKK-Anhänger. Eine erste Kraftprobe steht am Samstag bevor. Zehntausende Kurden wollen in Frankfurt demonstrieren. Die Stadt hat ein Verbot ausgesprochen. „Aber die Kurden werden kommen“, vermutet ein Experte, „erst recht, wenn es Krieg gibt.“

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