Zeitung Heute : Von Cannes lernen ...

ANDREAS CONRAD

Mitbringsel für daheim: der neue Berlinale-Souvenir-ShopVON ANDREAS CONRADTut uns ja furchtbar leid, liebe Festspielgäste, aber die Temperaturen von Cannes sind nun mal in einem Berliner Februar, selbst wenn er sich frühlingshaft gibt, nicht zu erreichen.Ein Meer haben wir auch nicht, Palmen nur im Gewächshaus, und ohnehin ist hier manches anders, schwerfälliger, herber irgendwie, deutscher sowieso.Die Schaufenster zum Beispiel: Nach wie vor nutzen nur wenige Geschäftleute die Möglichkeit, für ihre Auslagen ein wenig vom Glamour abzuzweigen und sie cineastisch herauszuputzen.In Cannes dagegen läßt sich kaum ein Ladeninhaber die wohlfeile Gelegenheit zur Reklame entgehen. Und auch dieses fehlte bis vor kurzem: die Vermarktung der Filmfestspiele mit an sich kinofernen Produkten, die aber durch entsprechende Aufnäher oder Aufdrucke filmfestlich aufgemöbelt wurden.In Cannes dagegen ...Aber lassen wir das, denn wenngleich südfranzösisches Format in Berlin noch lange nicht erreicht ist - einen eigenen Souvenir-Shop haben wir jetzt auch. Schon oft wurden die Festival-Verantwortlichen angesprochen, ob es denn nicht irgendein Mitbringsel zu kaufen gebe, berichtet Dieter Schmidt, Leiter der Administration.Bislang konnte er nur auf den Berlinale-Shop in der Budapester Straße 48 verweisen, wo es nach wie vor nur die aktuellen und früheren Plakate und Publikationen zu kaufen gibt, die man immerhin in einer ebenfalls zu erwerbenden Tragetasche nach Hause tragen konnte.Gottlob sind seit jeher auch Postkarten im Sortiment, der Festivalbesucher war also in der glücklichen Lage, den Lieben daheim stilvoll anzukündigen, daß mit weiteren Präsenten nicht zu rechnen sei. Außerdem gibt es wie gehabt den Festival-Shop im Europa-Center, aber hier ist das Angebot noch übersichtlicher und auf aktuelles Papierwerk beschränkt.Doch nun: We proudly present - den Berlinale-Souvenir-Shop.Für einen Monat hat das Festival sich in der Interconti-Ladenzeile, Budapester Straße 18, breitgemacht, ein leerstehendes Geschäft gemietet und wartet während des Festival täglich zwischen 10 und 20 Uhr auf Kunden.Die aktuellen Waren aus den beiden anderen Shops werden ebenfalls präsent sein, der Schwerpunkt aber liegt auf einem eigens für die Berlinale produzierten, bislang noch recht übersichtlichen Warensortiment. Übergroßes Risiko scheuend, hat man auch die georderten Mengen eher klein gehalten.So gibt es T-Shirts in Schwarz oder Weiß und je drei Größen, das Stück zu 19 Mark.Nur 150 je Größe und Farbe hält man bereit, will eher kurzfristig nachbestellen und will, sofern die Nachfrage es zuläßt, eventuell zu spät eintreffende Waren den abgereisten Besuchern hinterherschicken.Weiter gibt es ein "Polo-Pique-Shirt" und ein "Kasten-Sweat-Shirt" (mit 39 Mark preislich der Spitzenreiter), dazu Füllfederhalter und Kugelschreiber, getrennt oder im Schreibset, weiter Schlüsselanhänger, einen dreifach verwendbaren "Korkenzieher-Flaschenöffner-Verschluß", ein Feuerzeug und einen Reisewecker. Es sei eben "ein erster Versuch", entschuldigt Schmidt das karge Angebot, sichert aber zu, daß man nächstes Jahr ausbauen wolle, und im Jahr 2000, zur 50.Berlinale, werde es dann ganz groß aufgezogen.Vielleicht goldene Bären für jedermann?

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