Zeitung Heute : Von der Bücherei zum Informationszentrum

BERTRAM KÜSTER

Nicht nur die Architektur der Tempelhofer Hauptbibliothek im Eva-Maria-Buch-Haus ist ungewöhnlich.In den offenen, hellen Räumen der Bücherei haben die Tempelhofer Bibliothekare zudem in den letzten drei Jahren eine erstaunlich umfangreiche Multimedia-Ausstattung installiert.Dabei wurde vor allem an Kinder und Jugendliche gedacht, "die den Umgang mit Computern und multimedialen Anwendungen erlernen müssen", so Angelika Fahnemann, die Leiterin der Einrichtung.

Zehn nagelneue Multimedia-PCs stehen auf der obersten Ebene für die jungen Besucher bereit."In einer Mischung aus Spielen und Lernen" sollen sie an die Technik herangeführt werden.Ausgewählte CD-ROMs, wie das Multimedia-Lexikon "Encarta", der "Mathe-Blaster" oder für die ganz Kleinen "Mein erstes Lexikon" wurden auf den PCs installiert.Je nach Zuspruch, sollen die Programme künftig ausgewählt werden, um den Geschmack der Jugendlichen zu treffen.

Besonders stolz ist Fahnemann auf den Internet-PC, der speziell für Kinder bis 13 Jahre gedacht ist - ein Geschenk des Bezirksstadtrats zum zwanzigjährigen Jubiläum der Tempelhofer Stadtbibliothek im Mai 1998.Nach Anmeldung können hier die ersten Schritte im Netz erprobt werden.Auch hier haben die Mitarbeiter eine Vorauswahl an geeigneten Links getroffen.Besonders beliebt: die Web-Angebote von Hertha BSC und Alba Berlin, sowie eine Hausaufgaben-Schummelseite.

"Die Technik ist die eine Seite", sagt Fahnemann, "die Inhalte müssen wir uns erst gemeinsam mit Lehrern und Schülern erarbeiten".In Zusammenarbeit mit drei Grundschulen sollen die Möglichkeiten des Angebots weiter ausgelotet werden.Bislang wurde die Bibliotheksführung für Schulklassen auf die Multimedia-Abteilung ausgeweitet, "um die Kinder integrativ im Print- und Multimediabereich zu schulen", so Engelbrecht Boese, der Leiter der Stadtbibliothek.Übungen in Literatursuche und Medienrecherche sollen das Angebot der Lern- und Spielesoftware ergänzen.Immerhin 12 000 Teilnehmer an Klassen- und Kitaführungen konnten 1998 gezählt werden.

Für Erwachsene wurde das bisherige Informationsangebot erweitert.Dazu zählen zwei Arbeitsplätze mit den gängigen Windows-Anwendungen, wie etwa Word und Excel, sowie weitere Multimedia-PCs.Daneben ist der Katalog mit dem Gesamtbestand der Tempelhofer Bibliotheken über PC zugänglich.

An einer Wand daneben steht die sogenannte "Daddelmaschine".In der Tat sieht der Apparat von Ferne aus wie ein waschechter Spielautomat, entpuppt sich dann aber doch als Internet-Terminal.Für eine Mark kann der Nutzer hier acht Minuten surfen.

Überhaupt hat sich das Engagement in Sachen Multimedia für die Tempelhofer gelohnt."Deutlich lebhafter" gehe es seither in der Hauptbibliothek zu, so Boese.Über 1000 Besucher kämen täglich, davon wären 56 Prozent Vorort-Nutzer.

Mit insgesamt 24 PCs sowie einem Software-Bestand von über 1400 CD-ROMs habe die Stadtbibliothek Tempelhof die führende Position unter den Berliner Bezirksbibliotheken erreicht.Unterstützt wurden die Bibliothekare von der Tempelhofer Verwaltung, die für die 1996 eingeleitete Reform den Geldhahn wieder aufdrehte.Seither ist Boese die Unterstützung der Stadtverwaltung gewiß.Da laut Band "Tempelhof mit kulturellen Einrichtungen nicht gerade gesegnet ist", zählt eine moderne Bibliothek, die sich als Informationszentrum versteht, zu den besseren Angeboten des Bezirks.

Ein weiteres Highlight kommt 1999 auf die Tempelhofer zu.Wenn im April der VÖBB (Verbund öffentlicher Bibliotheken Berlins) nach einer Pilotphase mit den Bezirken Reinickendorf und Pankow an den Start geht, ist die Stadtbibliothek als dritter Teilnehmer mit dabei."Ein weiterer Quantensprung", so Boese, denn "die Recherchemöglichkeiten im Gesamtbestand der öffentlichen Bibliotheken Berlins sind qualitativ noch mal eine wesentliche Steigerung".Daß es in dieser Zeit einige Engpässe im personellen Bereich und im Service-Angebot der Bibliothek gäbe, nimmt Boese dabei in Kauf.Ausstattung und Service werden durch den Anschluß an den VÖBB noch einmal gesteigert.Und das kommt auch den Besuchern zu Gute.

Wer sich von den Angeboten der Tempelhofer Stadtbibliothek ein Bild machen will, kann das im Eva-Maria-Buch-Haus, Götzstr.8 in 12099 Berlin, tun.Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 10 bis 20 Uhr.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar