Zeitung Heute : Von der Homepage bis zum Handzettel

HOLGER SCHLÖSSER

Corel zielt mit der neuesten Version der Grafik-Suite auf den ambitionierten HeimanwenderVON HOLGER SCHLÖSSERMit zunehmender Leistungsfähigkeit der Computer ist die Erstellung und Bearbeitung von Bildern und Grafiken auch für ambitionierte Amateure in Reichweite gerückt.Entsprechend groß ist das Angebot an entsprechender Software.Mit der neuesten Version von CorelDraw 8 zielen die kanadischen Hersteller auf den interessierten Heimanwender, der von der Homepage über Briefpapier bis zum Handzettel Erzeugnisse aller Art für den Druck oder das Internet gestalten möchte - und gewillt ist, die Summe von ungefähr 1000 Mark zu bezahlen. Für das Geld bekommt man allerdings ein komplettes Künstleratelier, in dem man Logos kreieren, mit dem virtuellen Pinsel malen, Urlaubsfotos verschönern oder Faxe in den Computer einlesen kann.Neben den drei Hauptanwendungen - CorelDraw 8, Corel Photo-Paint 8 und CorelDream 3D 8 - beinhaltet das Paket CorelScan, mit dem "rote Augen" aus Fotografien entfernt oder einem gescannten Bild verschiedene Effekte zugewiesen werden können.Hinzu kommen die obligatorischen 40 000 Clipart-Bilder und 1000 TrueType-Schriften. Trotz der Fülle ist das Grafikprogramm CorelDraw die brauchbarste Software in diesem Bündel.Mit ihm lassen sich Vektor-Grafiken (siehe Kasten) entwerfen und bearbeiten oder Texte gestalten.Auf der Arbeitsfläche rotieren die Buchstaben, werden vergrößert oder verkleinert, wechseln Farbe und Form und werden schließlich um einen Kreis plaziert.Ebenso einfach lassen sich Grafiken zeichnen.Mit einem Mausklick können Farbverläufe exakt gesteuert oder die Form der Objekte verzerrt werden.Neu ist die Möglichkeit, allen Gegenständen einen Schatten zu verpassen, wie sie durch das WWW mittlerweile beliebt und weit verbreitet sind. Großen Wert legte Corel auf Benutzerfreundlichkeit: Der Bildschirmaufbau orientiert sich strikt an anderen Windows-Programmen, was beispielsweise kontextbezogene Iconleisten beinhaltet. Am wichtigsten für die Arbeit mit CorelDraw ist freilich die Werkzeugleiste am linken Bildschirmrand.Sie bildet die Grundlage für die Gestaltung grafischer Objekte.Neben Gewohntem, wie Hilfsmittel zur Erzeugung von Rechtecken, Kreisen oder Polygonen, findet sich hier auch Neues.Ein Weinglas symbolisiert ein Werkzeug, das Teile eines Objekts transparent werden läßt - exakt das Gegenteil des Füllwerkzeuges, mit dem sich Farbverläufe auftragen lassen.Ein weiterer Funktionsknopf erlaubt vielfältige Verzerrungen: Objekte werden gedreht, Ein- und Ausbuchtungen, Zacken, Kurven und Wirbel hinzugefügt. Nicht zu übersehen ist die Hinwendung des Programms zum Internet.Neben Java-Applets können Internet-Objekte wie Optionsfelder, Tabellen oder übereinander angeordnete Layoutvorlagen eingefügt und als WWW-Dokument im Internet publiziert werden.Ein Assistent begleitet den Anwender Schritt für Schritt durch den Publishing-Prozeß.Dennoch scheint die Verwendung eines HTML-Editors hier sinnvoller.Wichtig ist aber, daß Corel die Standard-Bildformate für das Internet, GIF und JPG, unterstützt.Auf diese Weise können Logos oder Buttons für die Navigationsleiste der eigenen Homepage gestaltet werden. Auch die Neuauflage von Corels Photo-Paint kann sich sehen lassen.Wer sich bereits in CorelDraw eingearbeitet hat, wird sich dank der vereinheitlichten Oberfläche schnell zurechtfinden.Dieses Programm eignet sich zum Nachbearbeiten von pixelorientierten Bitmaps, also vor allem Fotos.Es lassen sich Farben verändern, Fehler oder ungewollte Details wegretuschieren oder Montagen aus verschiedenen Bildern und Texten erstellen. Mitgelieferte Filter bringen Leben in die Bildszene.So lassen sich mit wenigen Schritten die Urlaubsfotos in impressionistische Zeichnungen verwandeln oder Objekte durch eine neue Beleuchtung und interessante Oberflächenstruktur optisch aufwerten.Mit einem Pinsel lassen sich alle Effekte gezielt auftragen.In einem kleinen Punkt schlägt das Programm sogar die Nummer eins der Grafikprofis, Adobes Photoshop.Man kann nicht nur eine Aktion rückgängig machen.In einer Annulierungsliste werden alle Vorgänge aufgezeichnet. Neben der Druckausgabe, wurde auch bei Photo-Paint Wert auf das Publizieren im World Wide Web gelegt.Wie bereits CorelDraw unterstützt Photo-Paint die transparenten GIF-, GIF-Animation-, JPG-Formate für das Netz.Fazit: Das Paket CorelDraw 8 bietet für einen moderaten Preis von ungefähr 1000 Mark (Upgrade 500 Mark) eine der umfassendsten Softwaresammlung für die Bildbearbeitung auf dem Markt. STICHWORT: VEKTOR- UND BITMAP-GRAFIKENVektorgrafiken werden mathematisch als Reihe von Punkten definiert, die durch Linien miteinander verbunden sind.Mit dieser vergleichsweise simplen Technik können in einer Datei auch komplexe Grafiken erstellt werden: von dreidimensionalen Logos bis hin zu fotorealistischen Stilleben oder Gesichtern.Jedes Element, aus dem die Grafik besteht, bildet eine eigenständige Einheit, die Eigenschaften wie Farbe, Form, Größe und Bildschirmposition aufweist.Verändert man ein Element und verschiebt, vergrößert oder verkleinert es, verschlechtert sich die Bildqualität nicht.Aus den mathematischen Funktionen wird das Bild jedesmal neu errechnet. Die Arbeitsweise von Grafikprogrammen wie Corel Photopaint unterscheidet sich davon grundlegend.Sie verarbeiten Bitmaps, die sich aus einzelnen Pixeln (von picture elements = Bildelemente) zusammensetzen.Erst aus der Entfernung ergibt ihr Muster ein komplettes Bild.Bitmaps lassen sich vergleichsweise schnell verarbeiten und verfremden - die Programme simulieren ein komplettes Fotostudio.Der Nachteil dieser Technik: Wird ein Bitmap vergrößert, wachsen auch die einzelnen Pixel. Systemvoraussetzungen: CorelDRAW 8 läuft unter Windows 95 oder NT 4.0 auf einem schnellen Pentium-Prozessor (empfohlen 133 Mhz) mit 16 MB RAM (empfohlen 32 MB) und benötigt mindestens 85 MB Festplattenspeicher.

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